Vogelfänger terrorisieren angeblich nicht nur die Vögel
Auch Teile der Bevölkerung leiden unter der Brutalität der Vogelfänger

Viele Mitbürger mögen sich fragen, wie es denn möglich sei, dass einzig im
Bundesland Oberösterreich das gewalttätige Einfangen von wildlebenden
Singvögeln noch immer möglich ist. Offenbar haben die Vogelfänger ein so
großes politisches Gewicht, dass ihnen weiter Ausnahmebewilligungen zum
Fangen von geschützten Waldvogelarten wie Gimpel, Stieglitz, Zeisig und
Fichtenkreuzschnabel ausgestellt werden.

Am Sonntag, 21. November waren Vertreter vom Dachverband der oö.
Tierschutzorganisationen im Salzkammergut unterwegs, um die
Vogelausstellungen zu observieren. Die Aussteller waren freundlich. In
den Räumen mit den gefangenen Singvögeln durfte nicht geraucht werden, und
die klare Luft war nicht zu warm temperiert. Gesamteindruck: hygienisch
einwandfrei. Vom tierschützerischen Standpunkt allerdings muss festgestellt
werden, dass die frisch gefangenen scheuen Wildtiere in den vielen kleinen
grünen Vogelkäfigen an den Wänden aufgeregt auf und ab hüpften. Dieses
ständige Hin- und Herhüpfen von Stange zu Stange ist laut Mitteilung von
Ornitologen ein Anzeichen, das auf starken Stress der Tiere hinweist.
Besucher, vor allem auch Kinder, deuten diese Monotonbewegungen oft
fälschlich als lustiges Herumhüpfen. Waldvögel sind hinter Gittern niemals
artgerecht untergebracht! Wilde Tiere erleiden beim Einfangen und beim
Gewöhnen an die Gefangenschaft schwere Angstzustände.

Die Tierschützer waren schon seit längerer Zeit auf der Suche nach
ehemaligen Vogelfängern, die dieses umstrittene Hobby nicht mehr ausüben,
weil ihnen die Tiere leid tun. Am Freitag abend gelang es mit Vogelfreunden
aus dem Salzkammergut telefonisch Kontakt aufzunehmen. Was wir dabei
erfahren haben, ist schlimmer, als je vermutet wurde:
Nicht nur die Waldvögel und die Natur werden von den Vogelfängern im
Salzkammergut terrorisiert: Auch Teile der Bevölkerung leiden unter der
Brutalität der Tierquäler!
Eine Tierschützerin, die sich früher sehr gegen den Vogelfang eingesetzt
hatte, erzählte, dass ihr der Haushund vergiftet worden sei und sie um alle
ihre Haustiere fürchten müsse, wenn sie es wagen würde, erneut gegen die
Vogelfänger etwas öffentlich zu sagen. Sie war in ihrem Wohnort mit
Schimpfnamen als zu jenen gehörig angepöbelt worden, "die den Vogelfängern
ihr liebstes Hobby verbieten wollen". Außerdem würde es ihr Mann nicht
gestatten, sich wieder gegen den Vogelfang zu engagieren, da.sie sonst den
Wohnort wechseln müssten.
Ein auch als Naturwacheorgan verpflichteter Vogelfanggegner, der nicht
genannt werden will, da ihm schon einmal alle vier Reifen seines Autos
zerstochen wurden, berichtete: "So brutal wie die Vogelfänger gegen die
Natur sind, sind sie auch gegen ihre Gegner!" Er hat auch darauf
hingewiesen, dass der Gimpel (Dompfaff) in dieser Gegend
schon "gar wird".
Ein Kontakt ergibt den nächsten. So erfuhren die Tierschützer von einem
ehemaligen Vogelfänger, der in seiner Jugend selbst Vögel gefangen hatte. Er
berichtete, dass, wenn die kleinen Tiere mit Kloben gefangen wurden, es
immer wieder zu schweren Verletzungen der feinen Beine kam. Diese Fallen,
die laut "Verordnung der oö. Landesregierung über den Schutz... wildlebender
Tiere" (§7.3) noch immer zum Fangen der Vögel verwendet werden dürfen,
werden mit Hilfe eines Eisendorns an einem toten Baum angebracht. Bei den
verzweifelten Versuchen des frisch gefangenen Vogels,
sich wieder die Freiheit zu erkämpfen, können sich die (mit Hilfe eines
Dornspitzes am Fangbaum befestigten) Fallen lockern und mitsamt dem an den
Beinen gefangenen Vogel zu Boden stürzen. Werden Tiere beim Fangen schwer
verletzt (vor allem bei Beinbruch) - so war dem Dachverbandspräsidenten auch
von einem Vertreter der BH Gmunden schon berichtet worden - werden diese von
den Vogelfängern auf der Stelle zertreten.
Denn, wie der ehemalige Vogelfänger zu bedenken
gab, was solle man mit einem stark blutenden, gebrochenen Beinchen
anfangen? Hier wurde bestätigt, dass beim Einfangen der Waldvögel mit Kloben
einzelne Tiere immer wieder schwer und sogar tödlich verletzt werden. Bei
einem Beinbruch werden die kleinen Tiere von den Vogelfängern von ihrem
Leiden erlöst, indem sie sofort in die Erde zertreten werden.
Um den Tätern gerecht zu werden, sei hier ausdrücklich angesprochen, dass
die Vögel nicht willentlich verletzt oder gequält werden. Es handelt sich
dabei um "Unglücksfälle", die
beim Einfangen wildlebender Tiere unvermeidlich immer wieder vorkommen. Die
Prachtexemplare für die Ausstellungen werden selbstverständlich bestmöglich
versorgt. Darf ihnen doch kein Federchen fehlen, soll damit ein Preis
errungen werden.
Leider kam es immer wieder vor, berichtete der ehemalige
Fänger, dass ein frisch gefangener Waldvogel am nächsten Tag tot im Käfig
lag. Wenn die scheuen Tiere die Nahrungsaufnahme in Gefangenschaft
verweigern, so ist den Publikationen der Vogelfänger zu entnehmen, gibt es
Versuche sie mit der Pinzette zwangszuernähren.

Schwere Vorwürfe wurden auch gegen die Landespolitiker erhoben, wenn diese
sich von dieser Tierquälerei beim Vogelfang nicht mit aller Klarheit
distanzieren, sondern diese Unsitte noch öffentlich unterstützen, aus Angst
ein paar Stimmen zu verlieren. Der Tierschutz sollte den Politikern
wichtiger sein!

Aufgrund dieser erschütternden Berichte vom Terror gegen Mensch und Tier,
wurden die Informanten gebeten, sich am Sonntag um 11 Uhr im Cafe Zauner
zusammenzufinden.
Als Vertreter der oö. Tierschutzorganisationen trafen sich Herr Dr.
Friedrich Landa in seiner Funktion als Dachverbandspräsident und der Jurist
Dr. Bernd Haberditzl unter Beisein eines Fernsehteams und dem Redakteur
einer Zeitung mit dem Herrn von der Naturwache, sowie dem ehemaligen
Vogelfänger und nunmehrigen Vogelfanggegner, Herrn Lukas Gschwandtner und
dem engagierten Tierschützer, Herrn Landtagsabgeordneten Martin Kressel, der
freundlicherweise auch verschiedene Fallen zur Ansicht mitbrachte. Auch
Frau Romana Tarmann vom Vöcklabrucker und Herr Redakteur Peter Huemer vom
Bad Ischler Tierschutzverein waren anwesend.
Die Tierschützerin, die schon so viel unter den Repressionen der Vogelfänger
zu leiden gehabt hatte, ließ mitteilen, dass sie sich nicht in der Lage sah,
noch einmal eine Aussage gegen den Vogelfang in der Öffentlichkeit zu wagen.

Bei der Vorbesprechung wurden zum Teil noch einmal die schon geschilderten
Einwände gegen den Vogelfang wiederholt. Es fand Erwähnung, unter welchen
Repressionen Leiter von Tierheimen zu leiden haben, wenn sie gegen den
Waldvogelfang das Wort ergreifen. Tierfreunden und Vogelfanggegnern wurden
ihre Haustiere vergiftet, die Fenster eingeschlagen und die Reifen beim Auto
zerstochen. Wer Tiere quält, ist leicht bereit auch gegen andersdenkende und
vor allem andersfühlende Mitmenschen brutal vorzugehen.

Bevor mit den Dreharbeiten begonnen wurde, verließ das Naturwacheorgan das
Treffen, um sich nicht der Gefahr eines neuen Terrors gegen seine Person
auszusetzen. Mit dem Satz: "Mit 9000 Schilling Pension kann ich mir nicht
schon wieder neue Reifen leisten!" verließ er verbittert den Raum.

Die Aufnahmen des Fernsehteams und der Bericht des Journalisten werden in
nächster Zeit veröffentlicht werden.

 

Am Nachhauseweg wurden noch die Vögel besucht, die laut Bericht der
Salzkammergut-Zeitung in einem Hotel in Traunkirchen ihr trauriges Dasein
fristen. Der Hotelchef beteuerte, es würden keine neuen Vögel mehr dort
einsperrt. Die Tiere dort sind schon zu lange an die Gefangenschaft gewöhnt,
als dass man sie einfach frei lassen könnte.

Über die oben beschriebenen Tierquälereien und den Terror gegen
Vogelfangkritiker können naturgemäß keine Fotos oder Videos als Beweis
angeboten werden, wie das bei anderen Tierquälereien, zB bei
Tiertransporten, Pelztierzucht, Zirkus-Dressur usw. möglich ist. Denn "jeder
Vogelfänger hat sein eigenes geheimes Platzerl" in den Bergen bzw. Wäldern.
Die Tierquälereien und Terrorakte geschehen im Verborgenen. Um diese
Berichte über den Singvogelfang im Salzkammergut nachprüfbar zu
machen, sind die Informationsquellen zu nennen, auf die der Dachverband der
oö. Tierschutzorganisationen bei der Recherche am Wochenende zufällig
gestoßen ist. Lukas Gschwandtner, ehemaliger Vogelfänger Tel. 06132 28964,
hat sich bereit erklärt, interessierten Berichterstattern Auskunft zu
erteilen.
Die Menschen, die nicht öffentlich genannt werden wollten, hatten
zu große Angst vor Repressionen.
Trotzdem: Die Wahrheit darf nicht verschwiegen werden!
Vielleicht können Sie Ihre Leser-, Seher- bzw. Hörerschaft am Ende eines
etwaigen Berichtes dazu ermutigen, Erfahrungen zur Tierquälerei beim
Vogelfang mitzuteilen.

Dachverband der oö. Tierschutzorganisationen
4602 Wels, Postfach 29
> 07682 7666
> +43 66 43 43 43 66
>
> Sonntag, 28.11.99, 13:30 Uhr, vor dem Rathaus Ebensee:
> Demonstration gegen den Singvogelfang und die Ausstellung von gefangenen
Waldvögeln im Rathaussaal
>
> Ausführliche aktuelle Informationen, Bilder und Zeitungsberichte zum Thema
> "Waldvogelfang im Salzkammergut" unter
> http://www.t0.or.at/~tierschutz