Was fühlt ein gefangener Singvogel?
Leserbrief eines Bergbauern aus dem Salzkammergut

Der Dachverband der oö Tierschutzorganisationen hat nach einer
Sachverhaltsdarstellung über die Tierquälereien beim Fang von wildlebenden
Waldvögeln im Salzkammergut, die Medien des Landes gebeten, ihre Leser-,
Seher- bzw. Hörerschaft zu ermutigen, ihre Erfahrungen zum Vogelfang
mitzuteilen.
Ein an uns vermittelter Leserbrief ist derartig originell und treffend
formuliert, dass er mit freundlicher Genehmigung des Verfassers auch zur
weiteren Veröffentlichung zur Verfügung gestellt werden soll. Herr Stefan
Großpointner ist, als Berbauer im Herzen des Salzkammergutes, den größten
Teil des Tages in Wald und Flur tätig und weiß auch in seiner Funktion als
Naturwacheorgan über die Tragödien bescheid, die jedes einzelne Tier beim
Einfangen erleidet. Der Leserbrief voller Mitgefühl spricht die
Singvogelfänger direkt an:

Leserbrief

Wer fühlt dieses Leben hinter Gittern unserer Waldvögel?

Nun habt Ihr sie wieder drinnen, sogar unter der Patenschaft so mancher
Obrigkeit, eine schicksalsgeprüfte, mit Gewaltanwendung gefangene Kreatur,
deren Lebensraum ja der Wald ist und wäre. Euer Aufenthaltsraum ist Wald und
Flur, auch der meine, darum war ich immer schon neben Euch Vogelfängern und
kenne Eure Umgangsformen. Jeder in die Falle eingegangene Vogel, wie man
sagt, erlebt einen Brutalakt, zu dem Ihr nicht berechtigt seid - mit diesem
freien Lebewesen.
Dann kommt das große Schicksal, für das sie bei uns da verdammt sind, sie
rnüssen durch Gitter und Glas hinausschauen, wo ihre Heimat und ihr Platz
ist. Wer hat noch Gefühle? Ist man nicht den Tränen nahe, wenn man ihnen
zuschaut, wie sie tagein tagaus immer wieder aus dem Käfig heraussuchen. Man
muß schon besonders veranlagt sein, wenn man da zuschauen kann.
Denkt einmal nach, wenn es umgekehrt wäre.
Dein Freiheitdenken ist ja bekannt, du stolzer Mann aus dem Satzkammergut,
lasse es Deinem Mitbewohner in diesem Lebensraum auch zukommen!
Und noch was. Wie viele Richtungen auch immer diesem Waldvogelfang die
Stange halten, von dem Wort ÖKOLOGISCH sollten sie Abstand nehmen, es steht
ihnen nicht zu, da die Beziehung des Lebewesens zu seiner Umwelt abgebrochen
ist, noch dazu nachhaltig.
Ich weiß, wie Ihr eingestellt seid, gegen mich als Einheimischen, aber ich
kann nicht zuschauen und muss es sagen.
Wie Ihr Euch sicher denken könnt, bin ich dabei nicht allein mit diesen
Gefühlen und Ansichten.

Stefan Großpointner
Bergbauer in Pemeck

 

Ausführliche aktuelle Informationen, Bilder und Zeitungsberichte zum
Thema "Waldvogelfang im Salzkammergut" unter
http://www.t0.or.at/~tierschutz
Dachverband der oö Tierschutzorganisationen
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