Tierschutz sucht Zusammenarbeit mit der AMA

Bei Dreharbeiten eines "Am Schauplatz"-Fernsehteams führten
am Di. 29. Feb.auf einem Bauernhof nahe St Pölten Vertreter der
Agrarmarkt Austria und des "Vereines gegen Tierfabriken (VgT)" eine
angeregte Diskussion über Tierhaltung. Bei dieser Auseinandersetzung gab es
keine Annäherung der Standpunkte.
Nach dem fruchtlosen Austausch gegenseitiger Vorwürfe wurde jedoch von
seiten des Tierschutzes der Versuch unternommen, doch noch eine Verbesserung
der Haltungsbedingungen für die Tiere in den AMA-Richtlinien zu erreichen.
Tierschutzdachverbandspräsident Dr. Friedrich Landa vereinbarte mit AMA
Marketing Geschäftsführer Dr. Stephan Mikinovic, sowie dem für
Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Dipl.-Ing. Oskar Wawschinek neue
Gesprächstermine. Es sollen die Möglichkeiten zu einer schrittweisen
Verbesserung des Tierschutzes bei den AMA-Kriterien erörtert werden.

Die AMA hat es in den letzten Jahren ausgezeichnet verstanden, durch eine
massive Werbekampagne dem rot-weiß-roten AMA-Zeichen zu einem hohen
Bekanntheitsgrad zu verhelfen. Obwohl die AMA aufgrund der Umfrage "Was
interessiert die Österreicher beim Thema 'Fleisch' am meisten?" genau weiß,
dass sich nur 8 % für die Be- und Verarbeitung interessieren, aber 68
Prozent für Herkunft, Tierhaltung und Tiertransport, finden für die
Gütekriterien keine Tierschutzbestimmungen Berücksichtigung, die über die
Einhaltung der Tierschutzgesetze hinausgingen. Leider konnte durch eine
irreführende Werbung der Eindruck entstehen, das AMA-Zeichen stünde auch für
eine umwelt- und tierschutzgerechte Produktionsweise. Der Bundesobmann des
Ernteverbandes Sepp Ortner weist darauf hin, "dass die Konsumenten durch
Stil und Aussagen in der Werbung für das AMA-Gütesiegel so getäuscht werden,
dass ca. 40 % der Befragten glauben, das AMA-Gütesiegel sei ein
Erkennungszeichen für Bioprodukte."

Dem Tierschutz kann es kein Anliegen sein, die Arbeit für die Vermarktung
österreichischer Erzeugnisse völlig zunichte zu machen, indem aufgezeigt
wird, dass AMA-Produkte auch aus Legebatterien und anderer Massentierhaltung
stammen können. Vielmehr läge es im Interesse des Tierschutzes, dass die
Tiere auch in der Realität so gehalten werden, wie in der AMA-Werbung
vorgezeigt wird. Die Schweine haben Einstreu oder leben gar auf grüner
Wiese, Rinder grasen friedlich auf den Almen, die Kälber wachsen in
Mutterkuhhaltung auf, und die Milchkühe brauchen in Laufställen nicht mehr
lebenslang an der Kette zu hängen. Wie können Tierschutz und Landwirtschaft
zusammenarbeiten, um eine solche AMA-Werbungs-Idylle wieder für die
Nutztiere in Österreich zu verwirklichen? Die Sensibilität der Bevölkerung
für den Schutz der Nutztiere wird sich in den nächsten Jahren noch
verstärken. Um die Haltungsbedingungen der Nutztiere verbessern zu können,
brauchen die Bauern Unterstützung: Der Konsument soll bereit sein, für
Freilandeier, für Stroh-Schweine und andere Produkte aus tier- und
umweltfreundlicher Haltung der Qualität entsprechend zu bezahlen. Aber auch
die Politiker müssen davon überzeugt werden, dass tierschutzgerechte
Qualität die volle Unterstützung der Allgemeinheit verdient, weil Tierschutz
letztlich auch Menschenschutz bedeutet.

Durch Aufklärungsarbeit, die bewusst macht, welche Tierquälereien in der
Intensivhaltung tatsächlich geschehen, kann der Tierschutz vor allem auch
durch "Tierschutz im Unterricht" die Bevölkerung darüber informieren, warum
eine tiergerechte Haltung für Tiere, aber auch für die Bauern, sowie für
Umwelt- und Konsumentenschutz so wichtig ist. Die Massentierhaltung der
Agrarindustrie fügt nicht nur den Tieren unermessliches Leid zu. Auch unsere
Bauern haben unter der Billigproduktion sehr zu leiden: Um mit der
Konkurrenz mithalten zu können, sehen sich die Landwirte gewungen, chemische
und antibiotische Leistungsförderer einzusetzen. So wird immer mehr
schlechte Qualität zu immer niedrigeren Preisen produziert. Die Verwendung
(vor allem auch von illegalen) Chemiezusätzen kann die Gesundheit der
Verbraucher gefährden.

Die EU-Osterweiterung wird den Preisdruck auf die österreichischen Bauern
noch verstärken. Die heimische Landwirtschaft wird kaum mit den
Weltmarktpreisen mithalten können. Nur jene Bauern werden überleben, die
unter einem verlässlichen Gütesiegel tatsächlich
eine bessere Qualität erarbeiten. Anstatt aufzeigen zu müssen, welche
Tierquälereien auch bei der Herstellung von AMA-Produkten möglich sind, wird
der Tierschutz - wenn die AMA bereit ist, den Tier- und Umweltschutz in
den Gütezeichenkriterien schrittweise stärker zu
berücksichtigen - sein Hauptaugenmerk darauf richten, die Bevölkerung
darüber zu informieren, wie wichtig es zur Verhinderung von Tierquälerei
ist, keine Fleischprodukte von ausländischer Intensivhaltung zu konsumieren.
Auf diese Weise könnten Tierschutz und heimische Landwirtschaft zum Wohle
der Konsumenten, der Bauern, der Tiere und des ganzen Landes
zusammenarbeiten.

Die "Am Schauplatz"-Sendung zum Thema Tierrechte ist für Ende März
vorgesehen.

 

Dr. Friedrich Landa
Geschäftsführer "Tierschutz im Unterricht"
Tierschutzdachverbandspräsident
Tel. 07682 7666
+43 66 43 43 43 66
Homepage: http://www.t0.or.at/~tierschutz
E-mail: tierschutz@t0.or.at