Der Singvogelfang in OÖ wird auch von Kirchenvertretern abgelehnt

Der Bischof von Linz, Hochwürden Maximilian Aichern OSB, zitiert in einem
Antwortbrief an Tierschützer, die in Ebensee gegen die Tierquälerei des
Waldvogelfanges demonstriert haben, zunächst die Meinung von Bischof Weber:
"Christen, die ihre Schöpfungsverantwortung ernst nehmen, kann Tierleid
nicht gleichgültig sein." Dann verweist unser Linzer Bischof Aichern auf
die höhere Verantwortlichkeit des Menschen "die Erde nicht zu
tyrannisieren". Und schließlich nimmt er ausdrücklich zum Vogelfang
Stellung: "Ich bin nicht einverstanden, wenn Vogelfang gegen den Artenschutz
verstößt oder einfach als Leidenschaft ausgetragen wird."

Es ist moralisch sehr bedenklich, wenn eine an sich völlig sinnlose
Tierquälerei aus selbsternannten "Brauchtumsgründen" weiter zugelassen wird.
Beim Einfangen erleiden die scheuen Singvögel Todesangst. Es kommt immer
wieder vor, dass
die Tiere verletzt oder in ihren Käfigen tot aufgefunden werden, weil sie
die Gefangennahme nicht verkraften. Das oö. Tierschutzgesetz verbietet
ausdrücklich das Einfangen wildlebender Tiere als besondere Form der
Tierquälerei. Dennoch hat sich der zuständige sozialdemokratische Landesrat
und SPÖ-Spitzenkandidat für die nächsten Landtagswahlen Dipl.-Ing Haider
bisher geweigert, prüfen zu lassen, ob die umstrittenen
Ausnahmegenehmigungen zum Fangen der Singvögel aus Brauchtumsgründen gegen
das Tierschutzgesetz verstoßen. Die Fachgutachten namhafter Vogelkundler
beurteilen den Singvogelfang, wie er im Salzkammergut betrieben wird, als
Tierquälerei. In allen anderen Bundesländern, vor allem auch in den
steiermärkischen und salzburgischen Teilen des Salzkammergutes, ist dieser
brutale Brauch bereits verboten. In Oberösterreich werden die Rechte der
Tiere von den Landespolitikern noch immer mit Füßen getreten, um keine
Wählerstimme eines Vogelfängers zu verlieren. Dies zeigt, wie dringend
notwendig ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz eingefordert werden muss.
Die EU-Kommission hat an die Republik Österreich ein Mahnschreiben
geschickt, weil sie das Vogelschutzabkommen verletzt sieht. Muss es erst zu
einem EU-Vertragsverletzungsverfahren kommen, weil unsere Politiker unfähig
sind, von sich aus die
Probleme im Land aufzugreifen und so umzusetzen, wie es einer zeitgemäßen
Wertegemeinschaft entspricht? Das Gerechtigkeits-Empfinden für eine faire
Behandlung auch der Tiere wird sich in der Bevölkerung in den nächsten
Jahren weiter verfeinern. Bis Ethik auch in der Politik des Landes
Oberösterreich Beachtung findet, wird der Druck von außen und von innen
aufrechterhalten bleiben.

Frau Dr. Edeltraud Buchberger, die Umweltbeauftragte der Diözese Linz,
wünscht den Tierschützern, "dass es ihnen gelingt, bei vielen Menschen im
Salzkammergut auf sympathische Art dafür zu werben, dass der Fang von Sing-
und Waldvögel unterbleibt." Die Tierschützer sollen "die kirchlichen
Mitarbeiter als Verbündete für ihr Anliegen" ansehen. Auch Dr. Buchberger
ist "der Meinung, dass das Fangen und Ausstellen von Sing- und Waldvögel
unterbleiben müsste."

Bischof Aichern und die Umweltbeauftragte der Diözese Linz bedankten
sich bei den Tierschützern für ihr Engagement zum Schutz bedrohter
Mitgeschöpfe, versprachen sich auch in Zukunft für die Bewahrung der
Schöpfung einzusetzen und wünschen den Tierschützern viel Erfolg bei ihren
Bemühungen.

Bild: Der Heilige Franziskus predigt den Vögeln bitte hier anklicken:
http://www.t0.or.at/~tierschutz/bilder/assisi.html

Ausführliche aktuelle Informationen, Bilder, Zeitungsberichte zum
Thema "Waldvogelfang im Salzkammergut"
und über die Gutachten der Vogelkundler unter
http://www.t0.or.at/~tierschutz

Dr. Friedrich Landa
Geschäftsführer Tierschutz im Unterricht
Dachverbandspräsident der oö. Tierschutzorganisationen
0 7682 7666
+43 66 43 43 43 66