Schlacht-Skandal Medienberichte zB Kurier

    Der öffentlichen Druck auf Politik und Landwirtschaft, Verbesserungen in der Behandlung der Tiere auch tatsächlich zu verwirklichen, darf nicht nachlassen! Solange Tiere unter "Bauernhofgarantie" und in den Schlachthöfen zu Tode gequält werden, sind Verbesserungen dringend notwendig. Unhaltbare Missstände in der Landwirtschaft gehören aufgedeckt und sollten nicht durch "Manifeste" zugenagelt werden. Wünschenswert ist eine sachliche und die Realität widerspiegelnde Berichterstattung, aufgrund der sich die Leser ihre eigene Meinung bilden können.
    Unsere Aussendungen ergehen an Medien, Politiker, Verantwortliche für Tierhaltung und Tierschützer. Als ein gutes Beispiel, wie Zeitungen unsere Informationen verwenden, kann der Tirol-KURIER dienen. Räumlich vom "österreich-bayrischen Grenzgebiet", in dem wir die Schlachthofskandale aufgedeckt haben, doch einigermaßen entfernt, hat die Redaktion eigene Recherchen angestellt, Stellungnahmen von Fachleuten eingeholt und mehrere Berichte darüber veröffentlicht:


    Titel: Rinder brüllen noch während der Schlachtung

    Text: Video zeigt Tierleid in österreichischem Schlachthof / Gesundheitsminister Haupt prüft nun die Causa

    von Alexandra Plank

    Hohe Wellen schlug die Recherche des Tirol-KURIER rund um die Vorgänge in österreichischen Schlachthöfen. Das Video dokumentiert, wie ein Stier, der kopfüber hängend aufgeschnitten wird, um zu Fleisch verarbeitet zu werden, zu brüllen beginnt.

    Von Tirol aus wurde das Büro von EU-Kommissär Franz Fischler informiert, der in Oslo weilte und daher vorerst keine Stellungnahme abgeben konnte. Gesundheitsminister Herbert Haupt, der Dienstag von der Existenz des Videos erfuhr, will laut seinem Pressesprecher die Causa nun eingehend prüfen.

    Tierschutz-Dachverbandspräsident Friedrich Landa argumentiert, dass diese Zustände von der Europäischen Union angeordnet worden seien. "Neue Vorschriften der EU untersagen seit Beginn des Jahres die Rückenmarkzerstörung bei der Schlachtung, weil dadurch BSE-Risikomaterial über die Blutbahn in alle Körperteile gelangen könnte."

    Durch das Verbot dieser bisher gängigen Methode wäre die Zerstörung des Zentralnervensystems nicht mehr gewährleistet. "Die Maßnahme für den Schutz von Konsumenten vor BSE-Erregern zieht für die Tiere unbeschreibliches Leid nach sich", erklärt Landa.

    UNERTRÄGLICH Das Video liegt dem Tirol-KURIER vor, und weil für einen Laien eine Schlachtung ohnehin brutal wirkt, wollten wir die Meinung von Experten einholen: Die Dokumentation wurde dem stellvertretenden Tiroler Veterinärdirektor Peter Kastlunger und Amtstierarzt Franz Schneider vorgespielt.

    Kastlunger erklärte, dass man diese Situation in der ersten Emotion sicher für unerträglich halte. Es brauche aber wissenschaftliche Studien, wie die Messung von Gehirnströmen, die Gewissheit darüber geben, ob die Tiere noch leiden. Landesveterinärdirektor Eduard Wallnöfer war am Mittwoch nicht im Amt. Er erklärte gegenüber dem KURIER, er glaube am ehesten, dass es sich beim Zucken und Brüllen um einen Reflex der Tiere handle, die aber keinen Schmerz empfinden würden. Es gäbe keine andere Betäubungsmethode. Sollte es zutreffen, dass das Schmerzzentrum dabei nicht ausgeschaltet werde, sei man ethisch verpflichtet, eine andere Lösung zu finden.

    Inge Welzig vom Tierschutzverein für Tirol war von den Aufnahmen erschüttert: "Wer da nicht weint, hat keine Gefühle." Das Unfassbare müsse sofort gestoppt werden. Sie will EU-Kommissär Fischler am Wochenende das Video vorspielen.

    Titel: Erlass gegen Tierqual in Schlachthöfen

    Text: Gesundheitsminister Herbert Haupt reagiert auf das aufrüttelnde Videodokument

    von Alexandra Plank

    Die Bilder, die in einem oberösterreichischen Schlachthof aufgenommen wurden und zeigen, wie ein Stier noch während der Schlachtung brüllt, haben Gesundheitsminister Herbert Haupt aufgerüttelt.

    ERLASS Sein Pressesprecher erklärte auf Anfrage des Tirol-KURIER am Donnerstag, dass die Tiermediziner nicht restlos nachweisen können, dass die Tiere keinen Schmerz mehr empfinden. Die Experten würden allerdings zu der Ansicht neigen, dass es sich beim Aufbäumen der kopfüberhängenden Rinder um "Restzuckungen" handle. Martin Reifinger, Pathologe an der Universität für Veterinär-Medizin in Wien geht laut einer "Presse"-Meldung hingegen davon aus, dass die Tiere im Schlachthof einen typischen Fluchtreflex zeigen.

    Obwohl das Ministerium die Tierqualen nicht für erwiesen hält, hat der Gesundheitsminister reagiert und einen Erlass ausgearbeitet. "Eigentlich ist das natürlich ein europäisches Problem. Schließlich dürfen laut einer Verordnung, die seit Jahresbeginn gilt, der Rückenmarkzerstörer und auch der Hirnschuss auf Grund von BSE nicht mehr eingesetzt werden", so der Pressesprecher.

    Die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Madleine Petrovic, hatte kritisiert, dass auch der Bolzenschuss auf den Schädel eine Verletzung des Gehirns nach sich ziehe und auch die Kreissäge erlaubt bleibe, mit der die Tierkörper durchtrennt werden.

    Auch dadurch könne BSE-Material mit Fleisch in Berührung kommen. Genaue Einzelheiten des ministeriellen Erlasses waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Haupts Pressesprecher hielt aber fest, dass man wenigstens in Österreich bedacht sei, mögliches Tierleid hintan zu halten.

    KURIOS Mag es schon kurios erscheinen, dass der Minister einen Erlass herausgibt, obwohl er das Tierleid nicht für erwiesen hält, erfolgt die Steigerung durch die Aussage des Pressesprechers, das Video sei nicht in Österreich, sondern im benachbarten Bayern entstanden.

    Tierschutz-Dachverbandspräsident Friedrich Landa, einer der Aufdecker, ortet Verdrängung. "Offensichtlich hat dieses Video die Politiker so betroffen gemacht, dass sie das Problem nun auslagern wollen." Landa fordert, dass in Hinkunft von Amts wegen Tierschützer bestimmt werden, die bei der Schlachtung dabei sind.

    Das Büro von EU-Kommissär Franz Fischler erklärte, man sei in diesem Fall unzuständig. Der Kommissär ließ aber in seiner Umgebung verlauten, er werde sich das Video ansehen. Seitens der zuständigen Abteilung wurde erklärt, falls es ein Problem gebe, müsse Österreich dieses im ständig tagenden Veterinärausschuss einbringen.

    Titel: Schlachtszenen bei internationaler Messe

    Text: Münchner Tierschutz-Experte zeigt Skandalvideo in Frankfurt

    Derzeit findet in Frankfurt am Main die "IFFA delicat", die Internationale Fleischwirtschaftliche Fachmesse statt. Die Veranstaltung wird noch bis Christi Himmelfahrt dauern.

    Der Münchner Tierschutz-Experte Herbert Wittmann, der seit Jahren bemüht ist, Betrügereien bei Tiertransporten aufzudecken, hat dort ebenfalls einen Stand. Er arbeitet eng mit Inge Welzig vom Tierschutzverein für Tirol zusammen.

    REAKTION Von Welzig wurde ihm vor seiner Abreise jenes Schlachthausvideo übergeben, das zeigt, wie die Stiere noch brüllen, während sie geschlachtet werden (der Tirol-KURIER berichtete). "Wir haben das Video anonymisiert, damit nicht erkennbar ist, woher die Aufnahmen stammen", erklärt Wittmann. Die Reaktionen auf diese furchtbaren Tierqualen seien sehr groß gewesen. "Sämtliche anwesende Veterinäre und auch die Vertreter der Fleischveredelungsindustrie waren sich darüber einig, dass derartige Dinge zu verurteilen sind", so Wittmann.

    Er gibt an, dass selbst Metzger, die das Video sahen, total erschüttert waren und Tränen in den Augen hatten. Mehrere Radiostationen hätten schon über diese Methoden berichtet und der Nachrichtensender ntv wolle einen Beitrag über das Tierleid senden. Der österreichische Tierschutz-Dachverbandspräsident Friedrich Landa weist darauf hin, dass diese Tierquälerei die Konsequenz einer EU-Verordnung sei.

    Seit Beginn des Jahres untersagen neue Vorschriften die Rückenmarkzerstörung bei der Schlachtung unter Verwendung des Hirnstabes, weil dadurch BSE- Risikomaterial über die Blutbahn in den Körper gelangen könnte.

    Titel: Schlacht-Video: Ohren wurden bei lebendigem Leib abgetrennt

    Text: Tierschützer befürchten Verwechslungen

    Das Video dokumentierte unvorstellbare Vorgänge auf einem oberösterreichischen Schlachthof. Vorgänge, wie sie aber überall in der EU vorkommen können. Seit Jahresbeginn darf der Hirnstab EU-Vorschriften zufolge nicht mehr eingesetzt werden, um das Rückenmark zu zerstören. Dadurch könnte BSE-Risikomaterial in den Körper gelangen.

    Der Tirol-KURIER berichtete von der Schlachtung des Stieres, der kopfüber hängend aufgeschnitten wird, dem die Beine abgetrennt werden. Und der die Tortur bei vollem Bewusstsein und brüllend vor Schmerzen durchlebt.

    OHREN-SKANDAL Während nun auch Nachrichtenmagazine und Fernsehsender auf das erschütternde Dokument aufmerksam wurden, entdeckte Tierschutz-Dachverbandspräsident Friedrich Landa im Film einen weiteren Skandal: "Dem Stier wurden bei lebendigem Leib die Ohren abgetrennt." Hinzu kommt, dass die Ohren mit Identifikationsmarken zu anderen Abgetrennten gelegt und dann in Plastiksäcken wieder an den Stier geheftet wurden. So sehen es die Hygienevorschriften vor.

    Damit aber, so Landa, würden Verwechslungen möglich: "Sollte in Österreich doch ein BSE-Fall publik werden, kann der Bauernhof, von dem das Rind stammt, vielleicht gar nicht mehr eruiert werden."

    AMA-SCHREIBEN Andreas Steidl, Qualitätsmanagement-Leiter der AMA Marketing GmbH, kannte das Video, konnte sich aber an die abgetrennten Rinderohren nicht erinnern. Außerdem würde die Schlachtreihenfolge in größeren Schlachthöfen mittels EDV erfasst. "Aber die Ohrenabtrennung war sicher nicht korrekt!" Auf Grund des Videos fand sogar eine Besprechung mit Tierschützern statt. "Danach haben wir die 30 Rinderschlachtbetriebe, die am AMA-Gütesiegelprogramm teilnehmen, angeschrieben."

    Der Inhalt: Nach Betäubung, notfalls durch Nachschießen und Aufhängen müsse in 60 Sekunden der Bluterschnitt gesetzt werden, der auch die Gefäße bei der Wirbelsäule umfasst, um die Blutzufuhr zum Gehirn zu stoppen. Dann müsse das Tier drei Minuten ausbluten. Erst nach dem Hirntod dürften Extremitäten abgetrennt werden.

    Friedrich Landa forderte, dass Tierschutzorganisationen in die Kontrolle eingebunden werden, wie es bei Eiern bereits der Fall ist.

    - Gertraud Walch


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