In der Sonntags Rundschau vom 24. Juni findet sich (auf Seite V) eine ganzseitige "Anzeigenreportage", die mit "Land Oberösterreich" gezeichnet ist. Darin werden die Leser in irreführender Weise über "heimisches Fleisch" informiert, als hätte es nie einen Medikamentenskandal gegeben. Da steht geschrieben: "Als Leistungsförderer oder zu anderen Zwecken ist der Einsatz von... Arzneimitteln in heimischen Ställen verboten." Mit solchen Aussagen informiert das Land OÖ seine Bevölkerung auf ähnliche Weise wie die AMA: Die Agrarmarkt Austria schreibt in der Informationsschrift "Frischfleisch mit dem AMA-Gütesiegel" auf Seite 7 unter "Reinheitsgebot in der Fütterung" "AMA-Gütesiegelbauern ist zum Beispiel der Einsatz von antibiotischen und chemischen Leistungsförderern in der Mast strengstens verboten." Diese "strengstens verbotenen" Chemikalien finden aber bei AMA-Betrieben dennoch Verwendung: Sie sind zwar in der Mast verboten, nicht aber in der Praxis der Aufzucht (bei Schweinen zB bis zu 35 kg Lebendgewicht). Massenproduktion von Fleisch in nicht-artgerechter Haltung, wie sie auch in AMA-Gütesiegelbetrieben betrieben wird, ist ohne Verwendung von antibiotischen und chemischen Leistungsförderern in der Aufzucht kaum möglich: Viele der auf engstem Raume zusammengepferchten Tiere würden ohne die Verwendung von Medikamentenbeigaben im Futter schon bei der Aufzucht an Seuchen erkranken und sterben. Lücke in der HerkunftssicherungIn der Anzeigenreportage wird ferner behauptet, dass die Herkunft des Steak lückenlos bis an den Ursprung verfolgbar ist. In der Schlachthausdokumentation aus einem oö. Schlachtbetrieb haben wir aufgezeigt, dass in der Herkunftsicherung eine böse Lücke klafft. "In Österreich bekommt jedes Kalb zwei gelbe Ohrenmarken", heißt es in der Reportage niedlich und weiter: "Damit ist sichergestellt, dass Tiere gesund ernährt und verantwortungsbewusst gehalten werden." Diese Logik ist verblüffend. Was hat es mit den Haltungsbedingungen zu tun, dass jedes Tier in einem äußerst schmerzhaften Vorgang zwei riesige gelbe Plastikmarken durchs Ohr gestochen bekommt? Zu behaupten, die Tiere in Oberösterreich würden zur Fleischerzeugung artgerecht gehalten, ist eine Lüge! Fast alle Schweine und Rinder, die in Oberösterreich zur konventionellen Fleischerzeugung gehalten werden, müssen ihr Leben auf einstreulosen Spalten-Betonböden verbringen. Bei lebendigem Leib das Ohr abgeschnittenDie Tiere werden zwar mit Ohrenmarken gekennzeichnet angeliefert. Aber wie auf unserer Schlachthausdokumentation zu sehen ist, wird dem Tier noch bei lebendigem Leib das Ohr mitsamt der Ohrenmarke abgeschnitten, während es sich beim Ausbluten unter Todesqualen windet und entsetzlich brüllt. Das abgeschnittene Ohr wird von dem Schlächter zu anderen abgeschnittenen Ohren auf eine Tribüne gelegt. Später nimmt ein weiterer Schlachthausmitarbeiter von dort eines der Ohren, steckt es in ein Plastiksackerl und hängt dieses auf einen der Schlachtkadaver drauf. Am Ende des Fließbandes identifiziert der Veterinärkontrolleur die Leichenteile anhand der in Plastiksackerln drangehängten Ohrenmarken. Tierausbeutung überwacht sich selbstIn der Anzeigenreportage wird behauptet, "unabhängige Institutionen und Prüflabors, Fleischbeschautierärzte und Lebensmittelkontrollore führen laufend strenge Kontrollen durch." Wie kann es sein, dass trotz Kontrolle bei den Tierschutz- und Hygienevorschriften solche Missstände zu finden sind? Wie ist es möglich, dass, wenn zufällig zwei angemeldete, völlig arglose Tierschützer in einem Schlachthaus für "Tierschutz im Unterricht" ein Video drehen, gleich mehrere weltweite Fleischskandale aufgedeckt werden? Die Tierschutz- und Hygienekontrollen müssen völlig wirkungslos sein! Wie sonst könnte es sein, dass Bauern, Viehhändler, Schlächter und Schlachthausbetreiber sich in keiner Weise bewusst sind, dass sie sogar vor laufender Kamera immer wieder Tier- und Konsumentenschutzbestimmungen verletzen? Niemand ist sich einer Schuld bewusst, während geschäftig pfeifend und scherzend die Tiere am Fließband zu Tode gequält werden. Wie ist es möglich, dass Amtstierärzte und sonstige Kontrolleure diese Missstände seit Jahren übersehen haben? Die Anzeigenreportage argumentiert naiv: "Oberösterreich ist eben aufgrund seiner kleinen Strukturen... sicher, weil überschaubar." Wer behauptet, dass Oberösterreich sicher ist, informiert die Bevölkerung falsch! Bio ohne ausdrücklich "bio" zu sein?Die Anzeigenreportage behauptet: "Die Tierhaltung... der überwiegenden Mehrheit der oberösterrreichischen Rinderbauern erfüllen ja bereits die meisten Bio-Auflagen, ohne ausdrücklich 'bio' zu sein." Damit wird die Bio-Qualität relativiert, indem so getan wird, als sei fast alles, was aus der Heimat kommt, so gut wie bio. Das Land Oberösterreich begeht mit solchen Aussagen eine ähnliche Fehlinformation der Konsumenten, wie die AMA. Mehr als zwei Drittel der Konsumenten, die das AMA-Gütesiegel kennen, glauben, dass Produkte mit dem AMA-Gütesiegel aus biologischer Landwirtschaft stammen. Diese Ergebnisse gehen aus einer im Mai dieses Jahres vom Marktforschungsinstitut Fessel-GfK durchgeführten Befragung hervor. Etwa 70% der Befragten verbinden mit dem AMA-Gütesiegel fälschlicherweise Kriterien wie artgerechte Tierhaltung und Verbot von Massentierhaltung. Wenn eine Produktkennzeichnung von einer signifikanten Zahl von Konsumenten als Bio-Kennzeichnung verstanden wird, müssten die Produkte sowohl nach europäischer als auch nach österreichischer Rechtssprechung auch biologisch produziert sein. Die Bio-Bauern sehen in der Verwirrung um das Gütesiegel eine Wettbewerbsverzerrung und fordern die Einstellung der Werbemaßnahmen für das AMA-Gütesiegel, die den Anschein erwecken, es handle sich um ein Gütezeichen für Bio-Produkte. Prüfung rechtlicher Schritte gegen Land OÖDa die Konsumenten durch solche irreführende Anzeigenreportagen fehlinformiert werden, prüft die Rechtsvertretung des "Dachverbandes der OÖ. Tierschutzorganisationen" nun nicht nur rechtliche Schritte gegen die AMA, sondern auch gegen das Land Oberösterreich. Ernährungsmix mit Fleisch heimischer BauernAus ethischen Gründen ist es untragbar, dass Tiere ohne notwendigen Grund gequält oder getötet werden. Es gibt genügend köstliche und gesunde Lebensmittel, die ohne Blutvergießen erzeugt werden können. In unserer ethiklosen Gesellschaft werden, wenn es um Profitmaximierung geht, rücksichtslos Tiere und auch Menschen ausgebeutet. Verblödung der FleischesserEine fotogene Ernährungswissenschaftlerin namens Stiksl-Mitteramskogler informiert die Konsumenten abschließend noch mit einem Satz, der an Intelligenz nur so strotzt: "Auch bei Wurstprodukten, die bis zu fünfmal die Woche gegessen werden, steigt die Nachfrage nach fettarmen Sorten." Vielleicht haben jene, die für die Volksvertrottelung im Land verantwortlich sind, in Zeiten von Rinderwahnsinn selbst schon soviel Fleisch konsumiert, dass sie gar nicht mehr merken, welchen Unsinn sie verbreiten. Die AMA macht sich neuerdings über sich selbst und ihre "rückverfolgbare Qualität" lustig: Sie lässt lauter identische Ausweise für Rindviecher drucken, in denen zu lesen steht, dass der damit ausgewiesene Träger der "Staatsbürgerschaft Österreich" im Schlachthaus Linz geschlachtet wurde. Wer diese makaberen Späße wohl finanziert? Bild-Dokumentation zum Ohrenmarken-Skandal Copyright "TiU/Landa;R&D-FMülln" Wie in Oberösterreich unter "Bauernhofgarantie" im Schweinemast-KZ Tiere zu Tode gequält wurden Dr. Friedrich Landa |
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