Bei der 8. Freiland-Tagung am 27.9.01 an der veterinärmedizinischen Universität Wien hat diese Fragestellung besondere Aufmerksamkeit erregt. Denn nicht ein konsequenter Tierrechtler, sondern Univ.Prof. Dr. Helmut Bartussek von der Bundesanstalt für Alpenländische Landwirtschaft referierte vor der Creme de la Creme an Tierausbeutern. Für dieses Wagnis gehört Prof. Bartussek Dank und Anerkennung ausgesprochen. Es ist schließlich nicht alltäglich, dass ein Architekt, der selbst (möglichst tiergerechte) Tiergefängnisse konstruiert, sich fragt, wie die "Verletzung von Lebensrechten der Tiere" gerechtfertigt werden könnte. Wie nicht anders zu erwarten, muss vom Inhalt und den Schlussfolgerungen von Tierrechtsseite her, einiges kritisch hinterfragt und richtig gestellt werden: Fleisch- und Milchkonsum hängen untrennbar zusammenProf. Bartussek führte zunächst aus, wie Fleisch- und Milchkonsum untrennbar zusammenhängen. Wofür die konsequenten Tierschützer oft als "radikal" bezeichnet werden, nämlich dass sie nicht nur Fleisch, sondern alle tierischen Produkte (auch Milchkonsum) aus ethischen Gründen ablehnen, ist auch Grundlage seiner weiteren Erörterungen. Die "Forderung nach moralischem Verzicht auf eine Nutztierhaltung und auf Fleischkonsum" wäre nach Prof. Bartusseks weiteren Ausführungen nur gerechtfertigt , wenn "tierisches Eiweiß für die menschliche Ernährung nicht erforderlich sei." Die ethische Frage, wie das Töten von Tieren gerechtfertigt werden kann, leitet Prof. Bartussek zur ernährungsphysiologischen Frage über: Ist es auch Personen mit erhöhtem Nährstoffbedarf (also vor allem schwangeren und stillenden Frauen und Säuglingen) möglich, sich von veganer Kost ausreichend und gesund zu ernähren? Verzehr von Fleisch als moralische VerfehlungDie ursprüngliche Frage: "Ist es vertretbar, Tiere zu töten?" wurde in dieser Argumentationslinie reduziert auf die Frage: "Ist es nötig, Tiere zu töten?" Der ethische Vegetarismus müsse nach Prof. Bartussek zuerst seine Bringschuld einlösen und nachweisen, dass es möglich ist, sich vegan gesund zu ernähren, "bevor er den Verzehr von Fleisch als moralische Verfehlung verurteilt und Fleischesser als Mörder bezeichnet". Ist Ethik das, was dem Täter notwendig erscheint?Wenn ein Mensch einen anderen Menschen tötet und beraubt, so ist das auch dann Mord, wenn es aus einem für den Täter "notwendigen" Grund geschieht - etwa um einen Mangel zu beheben. Der Zweck (die Gesundheit der Menschen) heiligt nicht die Mittel (das Töten der Tiere). Gerade eine solche anthropozentrische Beurteilung muss als ethisch unakzeptabel abgelehnt werden. Mord bleibt Mord, auch wenn der Täter glaubt, aus einer Notwendigkeit heraus töten zu müssen. Dass der Zweck nicht die Mittel heiligen kann, unterscheidet Ethik von Nutz-Denken und -Handeln. Vegan ist Evolutionsspitze Dass es möglich ist sich von veganer Kost ausreichend und gesund zu ernähren, beweisen die unzähligen Veganer, die aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen ohne tierische Lebensmittel prächtig wachsen und gedeihen. Es ist nichts gegen Milch einzuwenden, wenn der Säugling sie von seiner Mutter erhält. Aber es ist ziemlich unnatürlich und ethisch bedenklich, wenn ein Lebewesen ein anderes ein Leben lang gefangenhält, ausbeutet, um es der Milch berauben zu können und - sobald es an Nutzen verloren hat - gewaltsam tötet. In der Natur ist nicht vorgesehen, dass ein erwachsenes Tier sich weiter von Milch ernährt. Es wird allerdings noch lange Zeit brauchen, bis die wissenschaftlichen Erkenntnisse bis ins Alltagsbewusstsein vorgedrungen sind, dass Milchkonsum für Erwachsene nicht nur unnatürlich, sondern auch gesundheitsschädlich ist. Entgegen aller schlechter Ernährungsgewohnheiten ist hingegen auch heute schon allgemein akzeptiert, dass tierische Fette Zivilisationskrankeiten mitverursachen und unzählige wissenschaftliche Studien belegen, dass Vegetarier gesünder leben. Reine Planzenfresser haben keine MangelerscheinungenBei der anschließenden Diskussion wurde, um sich bewusst zu machen, wie unnatürlich Fleisch- und Milchkonsum für den Menschen ist, Prof. Bartussek gebeten, zu versuchen, ohne Zuhilfenahme von Waffen oder Werkzeugen, einem wildlebenden Tier sein Fleisch oder seine Milch abzunehmen. Da es so vielen Tierarten möglich ist, sich ohne alle Mangelerscheinungen als reine Pflanzenfresser zu ernähren, sollte es auch die Wissenschaftler nicht allzusehr verwundern, wenn sie in langjährigen Studien zur Erkenntnis kommen, dass in der veganen Ernährung die Zukunft des Menschen liegt. In Zukunft brauchen keine Tiere mehr für die Nahrungserzeugnis gequält werdenProf. Troxler hat in seinen Schlussworten zur Tagung des Freiland-Verbandes an der veterinärmedizinischen Universität Wien die Frage aufgegriffen, ob wir künftig Fleisch, das im Container gezüchtet wurde, essen werden, oder ob wir zu einer auch ethisch vertretbaren Lebensweise finden können. Fleisch, das aus Planzen hergestellt wird, ist unbedenklich, weil keinen schmerzempfindsamen Lebenwesen Leid zugefügt wird. Ethik: Theorie der Werte wie GerechtigkeitEthik ist die Wissenschaft vom Seinsollenden, sie darf nicht von jeweiligen Ist-Zustand bestimmt werden. Das bedeutet, dass ethische Forderungen weiter gehen sollen als die heutigen sogenannten Sachzwänge es zulassen. Sollen heißt müssen, wenn man kann. ...und Praxis (Verhaltensregeln und ethisch begründetes Konsumverhalten)Ist die Frage, wie die Behandlung der Nutztiere in unserer Zivilisation ethisch gerechtfertigt werden kann erst einmal gestellt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis aufgrund der biotechnischen neuen Möglichkeiten eine Versorgung mit Nahrung, die ohne Qual und Tötung von Tieren, mit bester Kombination an Eiweiß, Kohlenhydraten, Vitaminen, Enzymen usw. entwickelt wird. Dann wird auch Prof. Bartussek aufgrund seiner Argumentationslinie zu der Erkenntnis gelangen: Dr. Friedrich Landa |
|