ORF OÖ: Mordmannsheil

    Weidmannsheil - Warum auf Bambi schießen?

    Auf Einladung von Programmleiter Reinhard Waldenberger und Redakteurin Gisela Schreiner vom ORF-Landesstudio Oberösterreich fand gestern Abend in Linz/Magdalena ein Diskussionsstammtisch zum Thema "Weidmannsheil - Warum schießen sie auf Bambi?" statt.
    Von Seiten des Tierschutzes wurde dabei in konsequenter ethischer Argumentationslinie folgendes ausformuliert:


    Sammler, nicht Jäger

    Der Mensch ist ursprünglich nicht "Jäger und Sammler", sondern nur Sammler von Köstlichkeiten, die die Natur leicht erreichbar bereit hält: eine Fülle von Früchten und Gräsern.
    Um darzulegen wie unhaltbar es ist, zu behaupten, der Mensch sei immer schon Jäger gewesen, wurde ein Weidmann im Publikum gebeten, doch einmal vorzuzeigen, wie er, ohne Werkzeuge und Waffen, nur mit seinen "Klauen" und "Raubtiergebiss", ein Reh oder einen Hasen erjagen wolle.

    Jagd verursacht unsagbares Leid

    Im Eingangsstatement vom Tierschutzdachverbandspräsident wurde zunächst einmal festgestellt, dass die Jagd und die Jäger unsagbar viel Leid an den Tieren verursachen, wenn zB nach einer Treibjagd unzählige Tiere an den Verletzungen langsam zugrunde gehen. Kaum jemand sieht das Elend, weil sich die angeschossenen Tiere in ihrer Todesangst versteckt halten, bis sie verendet sind.

    Tierquälerei bei Jagden

    Aus dem Publikum wurden entsetzliche Erlebnisse mit angeschossenen Tieren berichtet, sodass auch die Jagdvertreter zugeben mussten, dass es immer wieder zu unerwünschten Fehlschüssen komme.
    Auf die Behauptung, bei einer Treibjagd würden niemals Rehe geschossen, wurde gekontert, dass auf Treibjagden gelegentlich auch Jäger erschossen würden, obwohl das nicht vorgesehen sei.

    Jagd unnötig und nicht mehr zeitgemäß

    Auch dass es in Naturschutzgebieten, in denen die Jagd völlig eingestellt wurde, zu keiner Überpopulation kommt, weil die Natur fähig ist, sich auch ohne Eingriffe des Menschen zu regulieren, wurde aus dem Publikum bestätigt.


    Jagd: Terror und Krieg gegen Tiere

    Von Tierschutzseite konnte eindeutig festgestellt werden, dass für die Tiere das Gejagtwerden Terror und Krieg bedeutet.
    Im Abschlussstatement zitierte Tierschutz-DV-Präsident Dr. Landa den 1. deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuß: "Jagd ist eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit."

    Schizoide Jäger

    Wie geistig erkrankt die Jäger sind, führte der Psychologe und Psychopathologe Dr. Landa mit einem Hinweis auf jenen Jäger aus, dem das Göttliche in Form eines Hirschen mit flammenden Kreuz zwischen dem Geweih erschien. Der leidenschaftliche Jäger wurde durch das Tier gefragt: "Warum verfolgst du mich?" Diesem Jäger verging daraufhin seine Lust aufs Tiere Morden, er änderte seine Lebensweise und wurde zum Heiligen Hubertus. Ausgerechnet diesen Mann, der der Jagd abgeschworen hat, verehren die Jäger als "ihren" Heiligen und Schutzpatron. Alles ethische Empfinden wird auf diese Weise ins Unbwusste verdrängt und es ist kaum erstaunlich, dass die Jäger kein Verständnis aufbringen, wenn sie als Menschen bezeichnet werden, die den Tieren Terror, Verfolgung und Mord bedeuten.

    Zusammenarbeit zwischen Jägern und Tierschutz

    Tierschutz-DV-Präsident Dr. Landa wurde vom Landesjägermeister zur Teilnahme an einer Treibjagd und zur Ausbildung zur Jagdprüfung eingeladen. Die Einladungen wurden dankend angenommen, wenn keine Tiere getötet oder misshandelt werden müssen und um Weidungerechtigkeiten auf Video dokumentiert zu können. Dem Tierschutz muss es gelingen, sich in die Kontrolle gegen Tierquälereien einzubinden, um die Tiere effektiv zu schützen.

    Lebendige Moderation

    Ein Kompliment kann noch Programmleiter Reinhard Waldenberger und Redakteurin Gisela Schreiner gemacht werden. Als einziger Tierschützer unter der Meute von Jägern, inmitten der Höhle des Löwen, habe ich mich keinen Augenblick unwohl gefühlt und die lebendige Interviewtechnik und Gesprächsleitung genossen.


    Dr. Friedrich Landa
    Dachverbandspräsident der oö. Tierschutzorganisationen
    +43 66 43 43 43 66


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