Schlachthoftierärzte, die Mängel aufzeigten, wurden strafversetztIm Zuge der Kampagne des Tierschutz-Dachverbandes zur Aufdeckung von Misständen in Schlachthöfen, haben uns Tierärzte über ihre Erfahrungen in Schlachtbetrieben berichtet. Als Tierschützer, die Gräueltaten aufzeigten, stellte sich die Frage, warum die Schlachthoftierärzte selbst kaum etwas gegen die unerträglichen Tierquälerein beim Transport, Betäuben und Schlachten der Tiere unternommen haben. Wären sie doch eigentlich für den Schutz der Tiere zuständig. Die Antwort ist erschütternd: Tierärzte, die Missstände aufzeigen und ändern wollten, wurden "strafversetzt" oder entlassen.Lebensgefahr für ZeugenIm Krone-Interview vom 23.12.01 spricht Minister Haupt "von Zeugen, die sich nach Jahren erzwungenen Schweigens jetzt an die Öffentlichkeit wagen" die vor der Schlachthaus-Mafia geschützt werden müssen. Er habe deshalb mit Innenminister Strasser Kontakt aufgenommen: "Ich will nicht, dass wie bei ...einem Tiermediziner (in Belgien) etwas passiert. " Dieser Einzelkämpfer war von der Fleisch-Mafia ermordet worden! Gräueltaten in SchlachthäusernVor allem junge Tierärzte und -ärztinnen haben dem Tierschutz-Dachverband von fürchterlichen Misshandlungen berichtet, die sie während ihres sechswöchigen Turnusdienstes miterleben mussten. Tiere, die sich in ihrer Todesangst auf dem Weg zur Betäubungsbox nicht mehr weiterbewegten, seien mit Knüppeln, Stichen und Elektrotreibern vor allem an den Geschlechtsteilen zum Weitergehen gezwungen worden, weil an diesen Weichteilen bei der Fleischbeschau die Tierquälerei beim Schlachten nicht offensichtlich wird. Hier eine der Aussagen, die uns von einem Tierarzt und Fleischuntersuchungsorgan (Name und Adresse sind dem Tierschutz-Dachverband bekannt, können aber aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht werden) schriftlich zugestellt wurde: "Geschlachtete" Schweine schwimmen im Brühwasserbecken"In einem österreichischen Bundesland wurde ein Fleischuntersuchungstierarzt, der den für seinen Bezirk zuständigen Amtstierarzt mehrfach auf fleischuntersuchungsrechtliche (untauglich erklärtes Fleisch wurde verkauft, geschlachtete Kälber wurden erst nach 12- bis 24-stündigem Verbleiben der Schlachtkörper im Fell der Fleischuntersuchung unterzogen) und tierschutzrechtliche Vergehen ( „betäubte und entblutete“ Schweine sind taumelnd wieder aufgestanden, „betäubte und entblutete“ Schweine haben im Brühwasserbottich wieder zu schwimmen begonnen, schlecht „betäubte“ Rinder erwachten an einem Hinterbein hängend anläßlich der Entblutung) des Fleischers aufmerksam machte, der Fleischbeschau „enthoben“, indem der Landeshauptmann zusätzlich zur Bestellung der Fleischuntersuchungstierärzte eine Geschäftseinteilung dergestalt installierte, daß dem o.a. FUTA die Ausübung seiner Fleischbeschau-Tätigkeit nur noch an Tagen ermöglicht wurde, an denen nicht geschlachtet wurde. Somit handelte es sich um keinen de-jure-, sehr wohl aber um einen de-facto-Entzug der Fleischbeschau. Seither konnte der o.a. Tierarzt im inkriminierten Fleischereibetrieb keinerlei Tätigkeiten mehr ausüben und fiel um einen monatlichen Umsatz von ca. 25.000,- öS." Politiker in die Schlachthaus-Mafia involviert?Wenn man solche Berichte hört, muss man zu fragen wagen, ob nicht auch Landeshampelmänner und Minister der Fleisch-Mafia angehören könnten. Verdächtig ist, dass gewisse Landesregierungen massiv Werbung für Fleisch mitfinanziert haben. Warum haben Politiker, anstatt die Bevölkerung den Tatsachen entsprechend davor zu warnen, dass Fleischkonsum die Gesundheit gefährden kann, in Schau-Essen Propaganda für Fleischkonsum betrieben, wenn Ernährungswissenschaftler und Ärzte ständig davor warnen, dass die Bevölkerung, und vor allem auch die Jugendlichen, schon zu viel an tierischen Fetten konsumieren und an Zivilisationskrankheiten leiden? Gesetzliche GrundlagenDie Schlachttier- und Fleischuntersuchung sowie die Überwachung der Vorschriften obliegt gem § 4 Abs 2 Fleischuntersuchungsgesetz idgF dem Landeshauptmann. Der Landeshauptmann hat sich zur Erfüllung dieser Aufgaben besonders geschulter Organe (Fleischuntersuchungsorgane) zu bedienen. Diese sind vom Landeshauptmann zu bestellen. Kritischer Amtstierarzt frühpensioniertProfil 5/2001, S. 39: Der Weizer TA Franz Mayer, der seit Mitte der achtziger Jahre die Behörden regelmäßig über Mißstände in Schlachthöfen informiert hatte (was nichts gefruchtet hat und auch noch beim Schweinemastskandal Anfang des Jahres verschwiegen wurde), berichtet, daß all seine Schreiben keinerlei Konsequenzen hatten. Mit einer Ausnahme: Am 31. Jänner mußte er sein Büro als Amtstierarzt räumen - er wurde mit 54 Jahren frühpensioniert. 15 Veterinärkontolleure ihrer Ämter enthobenVier Pfoten-PA vom 26.9.01: Massive VIER PFOTEN-Kritik an Mißständen im niederösterr. Schlachthof Unterstinkenbrunn. Dem engagierten Kontrollarzt und Standesvertreter Thomas Mueller aus Wenzersdorf wurde mit Billigung des Landes NOE die Existenzgrundlage entzogen, weil er es gewagt hatte, bei Schlachttier- und Fleischuntersuchungen die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen einzufordern. Ihn und weitere 15 Kollegen/innen hat man nicht nur ihrer Ämter enthoben, sondern für ihren Einsatz auch noch massiven Drohungen ausgesetzt. Wer Konsumenten- und Tierschutz ernst nimmt wird entlassen„Falls notwendig, stelle ich mich mit meiner Existenz vor den Tierschutz, weil ich meine Aufgabe als Tierarzt ernst nehme”, betont Dipl.Tzt. Thomas Müller. „Im Sinne der Tiere und auch der Konsumenten bestehe ich darauf, dass in heimischen Schlachthöfen, so auch in Unterstinkenbrunn, zumindest die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden.” Schlachthofbesitzer setzt selbst Kontrollorgane einIm - mit jährlich mehr als 200.000 geschlachteten Schweinen - mit Abstand größten Schlachthof Niederösterreichs hat man die missliebig gewordenen Fleischuntersucher/innen mittlerweile mit Hilfe der Gemeinde und des AMS durch vormals arbeitslos gemeldete Tierärzte „ersetzt”. Letztere hatten durchwegs keine Dienstorte bei „ihrer” Kammer gemeldet und verfügen überdies über keine Tierärzteausweise. Was aber die Rechtmäßigkeit der inzwischen so durchgeführten Schlachttier- und Fleischuntersuchungen noch mehr in Frage stellt, ist die Tatsache, dass der Betreiber des betroffenen Schlachthofes, Josef Müllner, im Gemeinderat sitzt und sich seine derzeitigen Kontrollore/innen somit gleich selbst ausgesucht hat, nachdem diese von der Gemeinde bestellt worden sind....Ganz gewiss darf es aber nicht so sein, dass der Fall Unterstinkenbrunn Schule macht und sämtliche Schlachthofbesitzer damit beginnen, ihre Kontrollorgane - im vorliegenden Fall noch dazu gänzlich ungeschulte - selbst einzusetzen. Der Haupt-VerantwortlicheIst es nicht unerträglich, dass Minister Haupt den Schlachthäusern erst jetzt mit wirksamen Kontrollen droht: "Und zwar ohne uns vorher anzumelden..." (Krone Interview). Wie daneben muss ein Minister eigentlich sein, um entlassen zu werden? Die Molterer-Haupt-Mafia mit MärtyrerblickDer Jurist Dr. Bernd Haberditzl schreibt in den "Tierrechts-Nachrichten":
"Nur unverbesserliche Naivlinge können glauben, daß die beiden Minister
Molterer und Haupt nicht die Spitzen dieser Mafia sind. Dem Molterer habe
ich öffentlich in der "Help TV"-Sendung gesagt, daß er Teil dieses mafiosen
Systemes ist. Er hat den Beleidigten gespielt. Aus der heutigen
Kronenzeitung geht hervor, daß Kontrollen bisher angemeldet wurden, daß
mögliche Zeugen offensichtlich zum Schweigen gezwungen wurden. Vertuschung durch ÖVP-Agrarlobby"Mafiose Praktiken in der Fleisch-Wirtschaft haben System", kritisierte Madeleine Petrovic: "Seit Jahren sind die Warnungen...von Tierschutzorganisationen" ignoriert worden. Die Agrar-Lobby betreibe seit Jahren Vertuschung und Verharmlosung: "Hätten wir keinen BSE-Fall, wäre nichts davon an die Öffentlichkeit gelangt. Illegal importiertes Fleisch, möglicherweise mit Antibiotika- und Psychopharmaka-Rückständen, wäre getarnt als beste österreichische Qualität auf den Festtagstischen gelandet", befürchtet Petrovic. "Die ÖVP-Agrarlobby taucht einen Agrar-Skandal nach dem anderen durch... Die von der AMA propagierte Bauernhofgarantie hat im Licht dieses Skandals ihre Glaubwürdigkeit verloren." Abstellen der MissständeBitte machen wir uns nichts vor: Solange es Tierfabriken und Schlachthäuser gibt, werden dort Tiere misshandelt. Es ist nicht möglich Tiere im Akkord zur Schlachtbank zu zerren, ohne sie dabei zu quälen. Wer Fleisch konsumiert, ist letztlich für die beim Schlachten ausgeübte Gewalt gegen Tiere mitverantwortlich. Wie die Tiere im Schlachthaus zu Tode gequält werden ist auf unserer Schlachthausdokumentation zu sehen. Dr. Friedrich Landa |
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