Gegner des Bundestierschutzgesetzes
Minister Haupt, der nichts von der österreichischen Fleisch-Mafia gewusst haben will, weiß über den Vogelfang im oö. Salzkammergut gut Bescheid. Er begründet seine Ablehnung eines Bundestierschutzgesetzes in der Krone vom 24.12.01 u.a. so:
Deckmantel für Tierquälerei
"Das scheitert leider meist am Lokalkolorit, dem manchmal so gern vorgeschobenem Brauchtum. Man braucht nur nach Oberösterreich und ins Salzkammergut zu schauen. Dort werden unter diesem Deckmantel noch immer Singvögel gefangen und dabei Leimruten verwendet. Die Tiere bleiben dann den ganzen Winter eingesperrt, weil es eben so Brauch ist. Da hat auch noch niemand einen Riegel vorgeschoben."

LH-Pühringer Hauptgegner des Tierschutzes
Die beispielhafte Kritik von Minister Haupt gegen das Bundesland Oberösterreich trifft in erster Linie Landeshauptmann Pühringer, der sich gerne als Anführer der Vogelfänger populistisch in Szene setzt. Pühringer lehnt nicht nur die von allen vernünftigen Menschen geforderte Verlegung der Kompetenz für Tierschutz an den Bund vehement ab. Er spricht sich auch dagegen aus, für sinnvolle Tierschutzprojekte Geld auszugeben, und glaubt zB dass "eine Katzenkastrationsbeihilfe ... sehr wohl zu kritisieren" sei.
Freunderlwirtschaft mit Tierquälern
Im Schlachthaus und bei der Haltung werden in OÖ Tiere zu Tode gequält. Als Agrarreferent des Landes Oberösterreich will der ÖVP Spitzenpolitiker verhindern, dass der Tierschutz von der Landes- in die Bundeskompetenz gehoben wird. Denn dann könnten die täglichen Verbrechen an den Nutztieren, aber auch bei scheinbar so unwichtigen Belangen wie Singvogelfang durch die Landespolitik nicht mehr gedeckt werden. Zur Zeit dürften sich die Mehrzahl der Landespolitiker eher der Freunderlwirtschaft mit den Tierquälern verpflichtet fühlen als einer auf Gerechtigkeit und Ethik basierenden Tierschutzgesetzgebung.
Gesetzlich ausdrücklich gestattete Tierquälerei
So ist es in Oberösterreich zB noch immer gestattet, kleine Ferkel ohne Narkose zu kastrieren! Auch ist es hierzulande legal, Hühner in Legebatterien zu halten - Tierquälereien, die in anderen Landesgesetzen zum Schutz der Tiere längst verboten sind. Die Tierquälerei des Singvogelfangens ist einzig im Bundesland Oberösterreich noch durch Ausnahmebescheide behördlich zugelassen. Insoweit ist die Kritik von Minister Haupt am Land Oberösterreich gerechtfertigt.
Kein Brauchtum sondern Tierquälerei
Was der Frauen-Gesundheits-Minister scheinbar noch nicht weiß, ist, dass der Singvogelfang in Oberösterreich nach einem Landtagsbeschluss vom 4. Okt. 2001 nicht mehr als Brauchtum gilt. Wer nach dem Inkrafttreten des neuen oö. Naturschutzgesetzes für den Singvogelfang eintritt, kann nicht mehr hinter dem Deckmantel "Brauchtum" verstecken, dass er Tierquälerei befürwortet. (Auch nach dem oö. Tierschutzgesetz gilt das Einfangen wildlebender Tiere als besondere Form von Tierquälerei.)
Blauer "Lokalkolorit" mit Tierkäfigen
Was den von F-Minster Haupt erwähnten "Lokalkolorit" betrifft, tun sich manche Freiheitliche bei der Beibehaltung von Gewaltausübung gegen hilflos ausgelieferte Mitlebewesen besonders hervor:
Die Salzkammergut Rundschau, Do., 20. Dez. 2001 zeigt auf Seite 8 ein Bild vom Gmundner ÖVP- Bürgermeister Köppl (Gratulation zum 50er) bei der Sitzung des Gemeinderates und untertitelt:
"Die FPÖ schenkte Utensilien für den Vogelfang"
"Grampelhuber und ... Wartecker stellten sich für die FPÖ mit Utensilien für den Vogelfang ein (Köppl gehört zu dieser Gilde)..."
Bundeseinheitliches Tierschutzgesetz Not-wendig
Lokale Politiker scheinen sich der Bedeutung des Tierschutzes, nicht zuletzt für die Förderung von Mitgefühl und Gerechtigkeitsempfinden, vor allem auch bei der Jugend, nicht bewusst zu sein, wenn sie mit schlechtem Beispiel die Rechte der Schwächsten missachten. Wenn die Landesregierung aus Rücksichtnahme auf "Lokalkolorit" unfähig ist zu unterbinden, dass in "Gilden" weiterhin aus Jux Singvogelfang betrieben wird, ist es höchst an der Zeit, dass all diese Tierquälereien durch ein Tierschutzgesetz für ganz Österreich verunmöglicht werden.
Weitere Dokumentation
Landeshauptmann als Anführer der Tierquäler
Landeshauptmann Pühringer führte in Ebensee einen Umzug der Singvogelfänger an und versicherte ihnen seine Unterstützung. Beim EU-Agrar-Gipfel im Salzkammergut sitzen ihm die Tierschützer schon im Nacken
Kommentar zum Singvogelfang von "Salzkammergut-Rundschau" Redakteur Josef Aigner "Was Leiden schafft..."
"Sing-Sing-Vögel" - Wizanys Zeichnung in den SN zeigt einen Vogelfänger, mit Käfig am Rücken, der statt seinem Hirn einen Käfig mit einem eingesperrten Vogel hat. Der Vogelfänger versucht mit einem Schmetterlingsnetz sein Hirn wieder einzufangen, das ihm mit kleinen Flügerln davongeflattert ist.
Dr. Friedrich Landa
Tierschutz-Dachverbandspräsident
+43 66 43 43 43 66
Anhang: Für
Freiheitliche Käfigträger aus dem Dritten Reich
eine von Hubert von Goisern empfohlene Erzählung von Franz Kain
über ein Erlebnis beim Singvogelfang,
das sich Gefangene im Konzentrationslager schildern
Warum müssen die Vogelfänger,
denen ihre Freiheit so wichtig ist,
diese den Waldvögeln nehmen?
Hubert von Goisern hatte mich angerufen um mit mir über den Waldvogelfang im Salzkammergut zu sprechen. Wir haben erörtert, wie wichtig es wäre, um Gewalttaten allgemein zu verhindern, die Täter dazu zu bringen, sich in die Situation der Opfer einzufühlen. Denn das ist die Voraussetzung für Mitgefühl. Die Singvögel erleiden beim Einfangen Todesangst!
Um in die Welt und Motivation der Vogelfänger Einblick zu gewinnen, hat mir Hubert von Goisern das Buch DIE LAWINE von Franz Kain (Bibliothek der Provinz) empfohlen. Denn darin gibt es
EINE VOGELGESCHICHTE
In einem Kerker des dritten Reiches lernen sich zwei Männer aus dem
Salzkammergut kennen und kommen auf das Vogelfangen zu sprechen. Die scheuen
Waldtiere wissen bei der Gefangennahme nicht wie ihnen geschieht. Auch die
KZ-Insassen wussten oft nicht, warum sie eingesperrt waren und was mit ihnen
geschehen würde: "Sie tauschten ihre Mutmaßungen aus über den
Bestimmungsort, dem sie entgegenfuhren, oder über eine bevorstehende
Verhandlung..." Selbst in einer ähnlichen Situation gefangen, erzählt ein
Häftling, wie er den schönsten Vogel seines Lebens mit Hilfe eines
Lockvogels fing: "Den Schnabel hatte ich schon drei Jahre, und einmal war
auch er rot gewesen. Durch die Jahre der Gefangenschaft war sein Gefieder
gelb geworden, so wie auch wir grau werden bei diesem Leben. Früher war er
ein recht guter Singer gewesen, aber im letzten Jahr hatte er nachgelassen,
und wenn ich ihn so beobachtete, dann kam er mir oft recht verdrossen vor.
Vielleicht hätte ich ihn auslassen sollen, aber nach drei Jahren hätt er
wohl den Winter im Wald nicht mehr ausgehalten. Dann würd's mich auch gereut
haben...
...sowie ich mit ihm in den Wald kam, wurde er unruhig, und seine Augen
begannen zu funkeln, wenn er die Vögel hörte. Er warf sich mit der Brust
gegen das Dach des Vogelhauses, hielt sich mit den Krallen am Draht fest und
stieß seinen Ruf aus..."
Der Vogelfänger erklärt: "Und wenn er zu singen beginnt, dann ist das ein
harter Gesang, und der ganze Vogel zittert dabei vor Aufregung. Er krallt
sich ans Gitter und schreit seine Lust und seinen Schmerz heraus.
Die Erzählung geht weiter: "Mein gelber Schnabel zerrte verzweifelt am
Drahltgeflecht des (Vogel)hauses. Aber es half nichts..." Mit Hilfe dieses
Lockvogels soll ein noch freies Prachtexemplar in die Falle gelockt werden:
Der Vogelfänger erzählt, wie langwierig es war, das Tier einzufangen, "denn
Kreuzschnäbel sind Strichvögel und wechseln häufig die Gegend. Halbe Tage
lang war er mit seiner Lock durch die Wälder gestreift..."
Zwanzig weich gepolsterte Klemmfallen sind um den Käfig des Lockvogels
aufgestellt. Dem Vogelfänger sei es so vorgekommen, als hätte der Gelbe den
anderen gewarnt, alle Fallen zu meiden: Man wisse nicht, was der Gefangene
dem anderen Vogel erzählt. Ein Buschen wilder Majoran "hat's dem Schnabel
angetan, denn er flatterte darum herum, während die Lock ganz leise dazu
sang..."
"Jetzt wirst nicht mehr lang tanzen", frohlockt der Vogelfänger, da gaukelt
ein grauer Gimpel daher und patscht in die Falle, wodurch der Kreuzschnabel
verjagt wird.
Inzwischen bildet sich um den Erzähler im Konzentrationslager ein Kreis von
Zuhörer: "Hungernde, schmutzige Gefangene, durch die böse Zeit selber böse,
misstrauisch und hart geworden, lauschten der einfachen Geschichte..."
"...je weniger der Schnabel Lust zeigte, in die Falle zu gehen, um so größer
wurde meine Leidenschaft. Ich musste und ich musste ihn haben. Dabei war es
mir weniger darum zu tun, dass ich mit ihm in jeder Ausstellung den ersten
Preis machen könnte, nein, das war es nicht. Aber wenn er so um das Haus der
Lock herumhüpfte und seine brennendrote Brust spreizte, da schien mir dieser
Vogel wie der Stolz und die Geschmeidigkeit des Lebens zu sein." Der
Erzähler spricht von dem dunklen Gefühl, nach dem dieser Kreuzschnabel ein
Inbegriff der Freiheit war, einer Freiheit, die stark und berauschend ist..
Kreuzschnäbel brüten ihre Jungen mitten im Winter aus und fordern damit alle
Gewalten heraus. Und deshalb glaubt der Fallensteller, "ist es durchaus
keine Spielerei, seine List und Geschicklichkeit mit solch einem Sänger zu
messen... Kreuzschnäbel, die muss man besiegen, Zug um Zug."
Wiedereinmal ist der Fänger mit seinem Lockvogel im Rucksack unterwegs: "Der
Schnabel rührte sich nicht, obwohl ich, da es noch finster war, oft gegen
einen Stein stieß und das Vogelhaus dabei jedes Mal hin und her schwankte.
Der Lockvogel im finsteren Rucksack klammert sich verzweifelt am Sprissel
fest. Am Ziel angekommen, richtet der Vogelfänger seine Fallen diesmal am
ganzen Kogel verteilt auf. Kurz vor Sonnenaufgang beginnt der Lockvogel
inbrünstig zu singen. Sein Gesang ist so innig, dass es dem Vogelfänger warm
ans Herz greift. Der freie Vogel wird angelockt und singt mit dem Gefangenen
mit. Später wird der Lockvogel unruhig, stößt schrille Schreie aus, als
wolle er den anderen warnen. Dieser berührt flatternd die Stange einer
Klemmfalle und ist: gefangen!
Der KZ-Häftling erzählt seinen Mitgefangenen weiter, wie verzweifelt der
Lockvogel schilpte, als er sah, "wie der rote Schnabel in der Falle
flatterte. Ich sprang hin, um ihn auszunehmen. Er war unverletzt, und dann
nahm ich den Vogel in die Hand. Ich spürte, wie sein Herz pochte...
Noch gab er sich nicht verloren, und er hackte mit seinem gekreuzten
Schnabel wütend auf meine Finger ein. Behutsam schob ich ihn in einen
kleinen Leinensack und legte den Sack in das Fanghaus. Ich holte schnell das
Fangzeug zusammen und stieg hinunter...
Ganz behutsam trat ich auf, damit der Schnabel sich nicht am Drahthaus
stoßen sollte. Ich schmiedete auf diesem Heimweg Pläne, wie ich den beiden
Vögeln ein großes Haus bauen würde, damit sie genug Platz hätten. 'Nur bis
zum Sommer', versprach ich dabei insgeheim, denn ich hätte nicht ertragen,
dass dieser purpurrote Schnabel in der Gefangenschaft seine Farbe verloren
hätte. Im Rucksack zirpten die beiden ganz leise, und ich schritt wie ein
Sieger zu Tal."
Der Erzähler im Gefängnis der Nazis macht eine lange Pause:
"Als ich zu Hause das Fanghaus aufgemacht habe, war der rote Schnabel tot."
|