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Auf Einladung von Bundesrat Leo Steinbichler kam es zu einem Treffen zwischen Landwirten und Tierschutz, bei dem die Probleme besprochen wurden, die durch einen - nach Meinung der Bauern - übertriebenen Tierschutz entstehen. "Kleinbetriebe werden wegstrukturiert"Besonders schwer trifft die kleinen österreichischen Rinderbauern das Anbindeverbot. Der Tierschutz wurde ersucht, "nicht den agrogroßindustriellen Interessen in die Hände zu spielen" und sich dabei von der EU missbrauchen zu lassen. Unter dem Schlagwort "Strukturbereinigung" würden die kleinbäuerlichen Existenzen in Österreich - aber auch zB in den EU-Beitrittsländern - zerstört. Tierquälerei AnbindehaltungVon den Landwirtschaftsvertretern wurde kritisiert, dass die soziale Betreuungsintensität aus dem ö. Tiergerechtigkeitsindex herausgenommen wurde. Die Bauern halten gerade diesen Punkt "Sozialkontakt" als einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Tierbetreuung. BR Steinbichler: "Darum sage ich, meine Frau hat 104 Kinder zuhause! Weil wenn eines der Kälber krank ist, rennt sie die ganze Nacht mit dem Fieberthermometer." Politik vertritt nur die Anliegen der GroßenDie Landwirte beschwerten sich, dass bei der EU auch von österreichischer Seite vor allem die agrarindustriellen Interessen vertreten würden und nicht die Anliegen der kleinen Bauern. Große Bauern können es sich eher leisten in die Politik zu gehen und so werden dort auch vor allem die Anliegen der Großen vertreten. Tierquälerei nach FreilandhaltungDie Landwirte wollten den Tierschutz auch darauf aufmerksam machen, welche Tierquälereien nach Freilandhaltung entstehen. Tiere, die ein Leben in Freiheit gewohnt sind, leiden um so mehr, wenn sie eingefangen, transportiert und ins Schlachthaus verbracht werden. Auch die Kennzeichnung mit Ohrmarken, die bei Boxenhaltung immer wieder einmal ausgerissen werden, sei problematisch. Aus Freilandhaltung ins SchlachthausDamit gezeigt werden kann, zu welchen Schwierigkeiten es durch Freiland-, Mutterkuh und Herdenhaltung kommt, luden die Herren BR Steinbichler, der GF des Rinderzuchtverbandes und Leiter der Beratungsstelle für Tierproduktion Hermann Gabriel und Rudi Stockinger vom RZV der Bezirksbauernkammer Vöcklabruck den Tierschutz ein, bei einer Verladung anwesend zu sein und auf Video zu dokumentieren, wie schwierig es ist, einen Stier aus Freilandhaltung ins Schlachthaus zu verbringen. Gewalt gegen TiereDer Stier Wotan wurde am Freitag, 20. Sept. - nach mehreren Jahren Weidehaltung in der Herde - auf einen Schlachtviehtransporter verladen und als Bio-Rind geschlachtet. Kein intelligentes Tier geht freiwillig ins Schlachthaus! Früher seien die Stiere geblendet, an den Vorderbeien gefesselt und so zur Schlachtung verbracht worden, erklärte ein Landwirt. Das sei heute aus Gründen des Tierschutzes verboten. Der Stier muss weg, weil er nicht seine eigenen Töchter in der Herde decken soll. Kälber drehen beim Anbinden durchEs käme auch zu goßen Schwierigkeiten beim Verladen von Kälbern bei Mutterkuhhaltung. Tiere, die das Angebundensein nicht gewöhnt sind, drehen durch, wenn sie auf ihrem Weg ins Schlachthaus zum ersten Mal in ihrer fast grenzenlosen Freiheit eingeschränkt werden. Außerdem seinen die Rinder so sensibel, dass sie Orte, wo andere Tiere geschlachtet wurden, als solche erkennen und mit all ihrer Kraft zu meiden versuchen. Invalide ViehhändlerWie gefährlich das Verladen und Verbringen der Tiere ins Schlachthaus ist, sei vor allem auch daran zu erkennen, dass fast alle Viehtreiber mehr oder weniger schwer verkrüppelte Invaliden seien, weil sie irgendwann einmal bei ihrer Arbeit attackiert wurden, erklärte Bundesrat Steinbichler, der einige Jahre selbst beim Tiertransport gearbeitet hat. Gezielte Schläge auf die Augen der TiereAuf einer früheren Videodokumentation für "Tierschutz im Unterreicht" über das Verladen und Schlachten von Tieren ist dokumentiert, wie die Viehhändler den Tieren mit einem Holzprügel gezielt auf die Augen schlagen, damit die Stiere einige Zeit nichts sehen können. Es ist leicht mitzuempfinden, wie schmerzhaft das für die Tiere sein muss! Schlachthöfe gaben keine DreherlaubnisEs war vorgesehen, dass der Stier Wotan bis ins Schlachthaus begleitet werden sollte. Die Schlachthäuser gaben aber keine Dreherlaubnis. Die Landwirtschaftsvertreter hatten Verständnis, dass, solange die Schlachthäuser eine erneute Dokumentation der Schlachtvorgänge ablehnen, davon auszugehen ist, dass beim Schlachten Tiere aus der Betäubung aufwachen und bei vollem Bewusstsein mit einem Bein am Fließband hängend zu Fleisch verarbeitet werden. Im Internet zu sehen unter http://www.tierschutz.cc/tiu/index-video.html Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und TierschutzWenn in den Schlachthäusern ohne Tierquälerei gearbeitet würde, käbe es keinen Grund, dem Tierschutz den Zutritt zu verweigern. Landwirt Stockinger stellte dazu trocken fest, dass der Rückenmarkzerstörer noch immer wegen BSE-Risikomaterial EU-weit verboten sei. Bundesrat Steinbichler sagte zu, dass er dafür sorgen werde, dass der Tierschutz in den Schlachthäusern Drehgenehmigung bekommt. EU-Schlachtprämien erzwingen SchlachttiertransporteAufgrund von EU-Verordnungen sei es praktisch nicht mehr möglich, die Tiere ohne tierquälerischen Tiertransport zu schlachten. Die kleinen Schlachthöfe seien umgebracht worden, klagten die Landwirte, und auch der fahrende Schlachthof von Herrn Schwaiger sei nicht unterstützt worden. Den Tieren soll Gerechtigkeit widerfahrenInwieweit es wegen Freilandhaltung zu Tierquälereien kommt - zB bei Igluhaltung und Enthornung - soll bei der 9. FREILAND-Tagung "Den Tieren gerecht werden - Neue Qualitäten der Tierhaltung" am Do. 26. Sept. 2002 an der Universität für Bodenkultur, Wien, Muthgasse 18 diskutiert werden. Zusammenarbeit von Haltern und Schützern für die TiereDie Stierverladung und die Argumentation der Landwirte in Bezug auf Tierrechte ist auf Video (60 Min) dokumentiert und kann unter video@tierschutz.cc bestellt werden. Tierschützer sollen in die Praxis und Problematik der Tierhaltung Einblick nehmen, um den bestmöglichen Schutz der Tiere realisieren zu können. Mit BR Steinbichler wurde vereinbart, in diesem Sinne zusammenzuarbeiten. Dr. Friedrich Landa |
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