Kritik der Tierrechtsbewegung

    Wenn von Tierrechten die Rede ist, wird analog zu den Menschenrechten sehr allgemein der "Schutz von Leib, Leben und Freiheit" jedes einzelnen Tieres gefordert. (Siehe zB http://www.united-creatures.at/pages/werwirsind.html "der Anspruch auf essentielle Grundrechte, auf Schutz von Leib, Leben und Freiheit besteht nicht nur für den Menschen.") Wer in diesem Sinne von Tierrechten spricht, sollte sich bewusst sein, was eine solche Forderung impliziert:

    Schutz von Haus- und Nutztieren

    Sich dafür einzusetzen, Tiere so weit als möglich vor unnötigen Leiden und Getötetwerden zu schützen, ist das, was jeder Tierschutzverein durch seine Arbeit an den betreuten verschiedenen Individuen zu verwirklichen sucht. Es wäre nur konsequent, wenn ein solcher Schutz nicht auf die den Menschen besonders nahestehenden Haustiere beschränkt bliebe.

    Gesetze zum Schutz der Tiere

    Gesetze sollen die Tiere vor unnötigen Leiden und unnötigem Getötetwerden schützen - wenn es etwa heißt: "Niemand darf einem Tier unnötig Leid zufügen oder es ohne vernünftigen Grund töten." Wobei zu diskutieren wäre, was nötig und unnötig ist. Ist es zB nötig, dass Ferkel noch immer ohne Narkose kastriert werden?

    Not-wendigkeit des Tötens

    Zu hinterfragen ist auch, ob es einen vernünftigen Grund gibt, Tiere zur Fleischgewinnung zu töten, da genügend gesunde, köstliche und mit weniger Aufwand zu produzierende Lebensmittel zur Verfügung stehen, die ohne Tierleid und Tiertötung auf dem Markt angeboten werden. Laut Gesetz dürfte es in den Tierfariken und Schlachthäusern kein Tierleid geben. In der Praxis sieht es anders aus: Fleischessen verursacht Gewalt gegen empfindsame Lebewesen!

    Brutalste Tierausbeutung

    Die Tierrechtsbewegung unterscheidet sich vom allgemein akzeptierten Tierschutz darin, dass prinzipiell hinterfragt wird, ob Tiere vom Menschen genutzt werden dürfen. Inwieweit die ihm anvertrauten Tiere für die Interessen der Menschen gebraucht oder missbraucht werden dürfen, ist eine legitime ethisch-philosophische Frage, die für das Konsumverhalten, aber auch zB bei der Haustierhaltung von nicht zu unterschätzender Tragweite ist.

    Tiergerechte Lebensgewohnheiten

    Was das Konsumverhalten betrifft, leben Tierfreunde meist vegetarisch, Tierrechtler versuchen vegan zu leben. Diese Konsequenz in der Ernährung wird vom Normalverbraucher oft als "radikal", "fundamentalistisch" oder "extrem" abgelehnt. Während noch Verständnis dafür zu finden ist, wenn ein Mensch seine Freunde nicht ohne Not auffrisst, wird eine Lebensweise ohne alle Tierausbeutung, wie sie von der veganen Tierrechtsbewegung propagiert wird, als problematisch angesehen:

    Tierrechte sollten keine leeren Floskeln sein

    Wenn Tierrechtler (wie T. Regan und Vortragende beim Wiener Tierrechtskongress) analog der Menschenrechte ähnliches für Tiere fordern, muss dies auf seine Konsequenzen hinterfragt werden:
    Regan verlangte bei seinem Vortrag im Jänner 2001 in Wien: "Wir wollen nicht besser ausgestattete Käfige, wir wollen leere bzw. gar keine Käfige!"

    Recht der Tiere auf Leib, Leben und Freiheit

    Wer für die Tiere den "Schutz von Leib, Leben und Freiheit" proklamiert, sollte bedenken, was das tatsächlich für die Tiere bedeuten würde. Allen gefangen gehaltenen Tieren kann unmöglich - wie seinerzeit den Sklaven - ein Leben in Freiheit in Aussicht gestellt werden. Regan wurde in Wien gefragt, wo denn dann die Tiere seien, wenn die Käfige in den Tierfabriken leer bzw. verschwunden sind und auch beim Tierrechtskongress wurde kritisch hinterfragt, was es bedeutet, ein "Recht der Tiere auf Leib, Leben und Freiheit" zu fordern.

    Freies Leben für Nutztiere kaum möglich

    Wenn naiv das "Recht auf Leib, Leben und Freiheit für alle Tiere" gefordert wird, so sollten sich die Tierrechtler bewusst sein, dass durch diese Formulierung - die vor allem auch für die Nutztiere zu gelten hat - Tiere nicht vor unnötigem Leid geschützt werden oder bessere Lebensbedingungen erhalten, sondern dass bei Umsetzung solcher Forderungen diese Tiere gar nicht mehr leben würden.

    Befreiung der Tiere

    Wärend jeder Bauer, mit dem man die Forderungen für Tierrechte bespricht, erstaunt entgegnet: "Es geht nicht darum, dass sie besser gehalten werden, sondern es soll die Tiere überhaupt nicht mehr geben?", wollen viele Tierrechtler lieber nicht die Konsequenzen zuende denken. Da sie meist in in der Großstadt leben, stellen sie sich unter der "Befreiung der Tiere" oft eine idyllische Szenerie vor - ähnlich der gezeichneten Bilder in den Erwache-Zeitschriften der Zeugen Jehovas, wo die Tiere in Freiheit mit den Menschen in ewigen Weidegründen paradiesisch zusammenleben.

    Die ganze Erde als Gnadenhof

    Solche unrealistischen Ideale sind scheinbar nur auf Gnadenhöfen zu verwirklichen. "Nur scheinbar", weil es auch hier zu Problemen kommt, die dem arglosen Besucher meist verborgen bleiben: Die Tiere werden alt und krank, müssen behandelt und irgendwann schließlich meist eingeschläfert werden. Ihre - mit Medikamenten vollgestopften - toten Körper sind als Sondermüll zu entsorgen!

    Tierrechtler als Naturverbesserer

    Wir wollen die Welt verbessern, indem wir allen unseren Grundsatz des Nichtverletzens und Nichttötens anderer emfindsamer Lebewesen aufdrängen. Der gewaltsame Tod unschuldiger widerspricht dem Gerechtigkeitssinn und dem ethischen Empfinden des Menschen. Aber lässt sich die Natur tatsächlich verbessern?

    Leben ohne Leiden

    Ohne eine natürliche Auslese ergeben sich für die alterndernden Tiere ähnliche Beschwerden und Leiden wie für die künstlich am Leben erhaltenen Menschen am Sterbebett. Den Tieren auf den Gnadenhöfen wird wenigstens durch kein Gesetz Euthanasie verboten. Auch wenn sie in den Schlachthäusern - wie dokumentiert - zu Tode gequält werden, muss, um den Tatsachen gerecht zu werden, in Frage gestellt werden, ob Tiere im Schlachthof nicht unter weniger Leidzufügung sterben, als manche alte Menschen im Krankenhaus.

    Abschaffung der Jagd

    Eine Folgerung aus Tierrechten ist konsequenterweise die Abschaffung der Jagd. In der freien Natur wird eine Tierart gewöhnlich durch die anderen reguliert. Kommt es zu einer Überpopulation, weil natürliche Feinde fehlen, muss sich die Art durch Krankheiten und Verhungern selbst regulieren. Tiere verhungern zu lassen gilt vom menschlichen Empfinden her als besonders grausame Tierquälerei.

    Leben und leben lassen

    "Leben und leben lassen" ist eine Utopie - die natürliche Regulation funktioniert leider nur durch "Leben und sterben lassen"! Auch wenn es brutal klingen mag: ein gewaltsamer Tod ist eigentlich völlig natürlich. So gesehen müssen die Forderungen der Tierrechtsbewegung nach einem Recht der Tiere auf "Leib, Leben und Freiheit" als unnatürlich hinterfragt werden. Zum Leben gehört natürlicherweise auch Leiden und Sterben - wenn nicht gar: getötet zu werden.

    Gnade und Barmherzigkeit

    All dies beachtend mag die Natur - weil sie auf dem Prinzip beruht, dass sich Lebewesen von anderen Lebewesen ernähren - nicht mehr so erbarmungslos grausam erscheinen. Ein besseres System muss erst noch erfunden werden - darin hat sich die Tierrechtsbewegung versucht - aber wie soll das in Wirklichkeit funktionieren? Kann es nicht als eine Gnade empfunden werden, wenn ein Lebewesen das andere frisst, weil dadurch unbeschreibliches Leiden durch Siechtum verhindert wird?

    Nirvana für Tiere

    Die Wiener TR-Szene hat völlig unkritisch die Tierrechtsideologie aus England übernommen und war bisher nicht fähig zu prüfen, ob deren Umsetzung nicht praktisch die Vernichtung jener Tiere bewirken würde, für die rein theoretisch den "Schutz von Leib, Leben und Freiheit" proklamiert wird. Eine selbstkritische Diskussion ist in diesen Kreisen kaum möglich.

    Unlebenswerte Tierleben

    Den meist ohne einen persönlichen Bezug zu Tieren lebenden Aktivisten ist die eigene Schuldlosigkeit wichtiger, als der tatsächliche Schutz der Tiere! Was bringt es den Tieren an Lebensqualität, wenn sie, weil ihr Dasein von den Tierrechtlern als lebensunwert beurteilt wurde, aufgrund von Tierrechten gar nicht leben?

    Absoluter Tierschutz durch Ausrottung der Tiere

    Das ist absoluter Schutz: Um Leid und Tod zu verhindern, überhaupt nicht mehr leben! Wäre das nicht auch eine konsequenteste Forderung in Bezug auf Menschenschutz? Tatsächlich hat ein Tierrechtsphilosoph sich allen Ernstes die Frage gestellt, ob es nicht besser wäre, die Welt in die Luft zu sprengen, um dem Leiden und Sterben auf Erden ein Ende zu setzen.

    Vorgetäuschter Lebensschutz

    Da die Formulierung: "Recht auf Leib, Leben und Freiheit" etwas vortäuscht, das für die Nutztiere allgemein nicht verwirklicht werden kann, sollte diese ziemlich leere Floskel nicht weiter verwendet werden. Im Unterschied dazu ist es legitim und müsste für jeden logisch nachvollziehbar sein, wenn der Schutz aller empfindungsfähigen Lebewesen vor vermeidbarer Leidzufügung und als Konsequenz daraus der Schutz der Tiere vor der skrupellosen Nutzung durch den Menschen gefordert wird.

    Schutz der Tiere vor skrupelloser Ausbeutung

    Das kann als konsequenter Tierschutz, aber nicht eigentlich als "Tierrechte" bezeichnet werden. Für die Praxis der Tierhaltung würde es in letzter Konsequenz außer in Tierparks und auf Gnadenhöfen kaum noch Individuen geben, für die Tierrechte gelten könnten. Auch bei der Haustierhaltung gehört überprüft, in welchen Fällen es sich dabei um Missbrauch der Tiere für menschliche Interessen handelt.

    Der Mensch als Maß aller Tiere

    Die Anwendung der Forderungen auf eigenständig wildlebende Tiere wurde am TR-Kongress sehr relativiert. Es ist wieder nur ein homozentrischer Ansatz, wenn Menschenaffen Tier- bzw. Menschenrechte zugesprochen werden, bloß weil sie den Menschen ähnlich oder vom Aussterben bedroht sind, andere auf ihre Art hochintelligente und wahrscheinlich ebenso empfindungsfähige Tiere, wie zB Ratten, davon aber ausgeschlossen bleiben.

    Liebe zum Leben

    Wer jegliche Tiernutzung durch den Menschen ablehnt, sollte sich bewusst sein, welche Konsequenzen das nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere hat. Mit welchem Recht streben wir für die Tiere etwas an, was wir für uns selbst vehement ablehnen würden? In der Arbeit und als Steuerzahler ausgebeutet zu werden, ziehen schließlich auch die meisten Menschen dem Nirvana - dem absolut leidlosen Erlöschtsein - vor.

    Nach skrupelloser Ausbeutung völlig vernichtet

    Was Menschen und Tieren in unserer Konsumgesellschaft vor allem ein "Lebensrecht" gibt ist Profit zu bringen und das Kapital zu mehren - das alleine zählt - sei es als Produktionsmittel oder als Konsument. Der Mensch hat die Nutztiere zu dem gemacht , was sie heute sind: Gefangengehaltene Sklaven, deren Leiber und Leben unter größtmöglicher Profitmaximierung für die Bedürfnisse des Menschen ausgebeutet werden und durch Züchtung meist schon so degeneriert sind, dass sie eigenständig nicht mehr überlebensfähig sind.

    Rechte für Tiere die es nicht mehr gibt

    Ist es nicht der Gipfel von menschlicher Anmaßung, wenn anstatt die Tiere zu schützen, Tierrechtler bedenkenlos die Ausrottung von ganzen Tierarten einkalkulieren, weil sie bei veganer Ernährung keinen Nutzen mehr für sie haben, und ihnen ihre eigene Schuldlosigkeit wichtiger ist als das Leben der Tiere?

    Dr. Friedrich Landa
    Tierschutz-Dachverbandspräsident
    +43 66 43 43 43 66


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