BioVegane Landbautage und die Zukunft der Bergland(wirt)schaft

    BioVegan heißt, es werden Lebensmittel ohne chemisch-synthetische Mittel und ohne Nutztierhaltung und tierische Düngemittel produziert. Bei den BioVeganen Landbautagen an der Universität für Bodenkultur in Wien ging es darum, die positiven Aspekte des Bio-Landbaues und des Veganismus für eine friedfertige und nachhaltige Landwirtschaft zu verbinden.

    30-jährige BioVegan-Erfahrung

    Margarete Langerhorst berichtete, wie das auf ihrem 3,5 ha großen bio-veganem Hof in Oberösterreich seit 30 Jahren geschieht. Gedüngt wird durch Mulchen und mit Hilfe von Zwischensaaten.
    Ihre 5 Kinder hätten festgestellt, dass das Essen aus dem Supermarkt nicht satt macht. Weil die künstlich gezüchteten Pflanzen zu schnell wachsen, fehlen die Nährstoffe. "So billig ist es nicht gut zu machen", stellte diese Pionierin des bio-veganen Landbaues fest. Sie warnte aber auch davor, die Mitmenschen mit veganer Ideologie zu überfordern und mahnte an, jedem genügend Zeit für die persönliche ethische Entwicklung zuzugestehen.

    BioVegane Politik

    MMag. Dr. Madeleine Petrovic sprach in ihrem Referat über den Zusammenhang von Krankheit und Fleischkonsum, über Arzneimittel und Psychopharmaka in den Tierfabriken und wie enorm wenig Wissen in den Gastronomieschulen des Fremdenverkehrs über vegetarische oder gar vegane Ernährung vermittelt werde.

    Umweltzerstörung durch Fleischkonsum

    In der 3 Tage dauernden Veranstaltung wurde daran erinnert, wie die Umweltzerstörung aus Österreich und den westlichen Industriestaaten ausgelagert wird. Mag. Salmhofer referierte in seinem Vortrag über die "Auswirkungen unserer Ernährung auf das Weltklima". "Aufgrund der Fleischnachfrage verbrauchen die Industriestaaten mit 1/4 der Weltbevölkerung 3/4 der gesamten agrarischen Produktion!" In der Dritten Welt werden, während in einigen Ländern die eigene arme Bevölkerung hungert und verhungert, für die EU-Futtermittelproduktion 150.000 km2 fruchtbaren Landes "besetzt". "Den 800 Millionen hungernden Menschen stehen 1,2 Milliarden Übergewichtige gegenüber!" "EU-Kühe bekommen mehr Unterstützung (Subventionen plus Schutzzölle), als die 1/2 der Weltbevölkerung zum Leben hat."
    Eine vierköpfige Familie in der EU zahlt pro Jahr ca. € 9460 an Steuern für Nahrungsmittelsubventionen.
    Es wurde auch erwähnt, dass sich die Autos derzeit 4 x so schnell vermehren, wie die Weltbevölkerung.

    Gier und Unersättlichkeit bis zur Selbstaufzehrung

    Dr. Thomas Seiler erzählte in seinem Referat "Nachhaltigkeit, ökologische Ethik und Bio-Veganes Wirtschaften..." als Methapher zur ökologischen Krise den Mythos von Demeter, die den Menschen mit Gier und Unersättlichkeit bestraft, was schließlich mit Selbstaufzehrung endet.

    Der Mensch als Ausbeuter oder Bewahrer

    Univ. Doz. Dr. Weish ließ die Zuhörer eindrucksvoll erkennen, wie unser "ökologischer Fußabdruck" die Erde niedertrampelt. Er sprach an, dass die Mitleidensfähigkeit den Menschen von den Tieren unterscheide und der Mensch aufgrund seiner intellektuellen Überlegenheit entweder als Ausbeuter oder als Bewahrer auftreten könne.

    Zukunftsfähiger bioveganer Landbau

    Am Beispiel des Wastlerhofes wurde gezeigt, wie der "Umstieg von Bio auf Bio-Vegan" geplant und durchgezogen wird. Beeindruckend wurde geschildert, wie auch am Bio-Bauernhof die Kälber nach den Müttern und die Kühe nach ihren Kälbern schreien, wenn sie zum Zwecke der Milchgewinnung durch den Bauern gewaltsam voneinander getrennt werden. Mutterkuhhaltung ist nur zur Fleischproduktion möglich und da werden die Tierkinder schon nach wenigen Monaten für Bio-Kalbfleisch getötet. Gute Gründe für eine Umstellung auf Bio-Vegan!

    Biovegan als Evolutionsspitze

    Wenn sich die Menschheit auch nur ein wenig ethisch weiterentwickelt, wird das, was derzeit wenige Menschen als unerträglich empfinden, nämlich dass Tiere für die Ernährung ausgebeutet und getötet werden, künftig von immer größeren Bevölkerungsteilen abgelehnt werden. Demnach wäre nur eine vegane Landwirtschaft zukunftsfähig. Doch auch hier gibt es ethische Probleme:

    Tierschlachtungen für den veganen Landbau

    Frage zum Umstieg von Bio auf Bio-Vegan am Wastlerhof:
    "Was passiert bei der Umstellung auf eine friedfertigere Landwirtschaft mit den Tieren?"
    Antwort: "Die werden geschlachtet."

    Den Tieren wird ihr Lebensraum genommen

    Damit stellte sich wieder einmal die Frage, die in der veganen Tierrechtsbewegung oft verdrängt gehalten wird, ob der vegane Landbau vielleicht gar nicht so friedfertig ist, wie es dem ersten Anschein nach zu sein scheint. Es ist nicht nur eine prinzipielle Frage, was mit "allen Nutztieren" geschehen soll, wenn sie vom Menschen nicht weiter ausgebeutet werden. Bei jeder Umstellung von Tierhaltung auf pflanzliche Produktion stellt sich diese Frage für jedes einzelne Tierschicksal: Was soll aus den Nutztieren werden, wenn ihnen "ihr" Lebensraum genommen wird, um dort vegan wirtschaften zu können? Wie ist eine friedvolle Umstellung möglich?
    Prof. Weish zitierte Albert Schweitzer: "In der Wahrheit sind wir, wenn wir die Konflikte immer tiefer erleben."

    Vernichtung der Nutztiere

    Dr. Seiler, der die "Transdisziplinäre Zeitschrift für ökologische Nachhaltigkeit NATUR UND KULTUR" www.natur-kultur.at herausgibt, bescheinigte der bio-veganen Wirtschaftsweise, dass die ethischen Gebote des Pathozentrismus (= Tötungsverbot gegenüber empfindungsfähigen Tieren) in geradezu exemplarischer Weise erfüllt werden. "Ein Problem besteht allerdings darin, was mit den 'Nutztieren' zu tun ist. Sie ohne Fortpflanzung sterben zu lassen, hätte die paradoxe Folge, dass es in wenigen Jahren keine Nutztiere mehr gäbe und die 'Nutznießer' des Tötungsverbotes damit aussterben würden."

    Veganismus als Grundkonzept für alle oder nur Modell?

    Dem Veranstalter der BioVeganen Landbautage www.biovegan.org ist zu verdanken, dass hier auch Referenten zu Wort kamen, die eine vegane Lebensweise kritisch hinterfragten. Nach jedem wissenschaftlichen Vortrag meldete sich Ronny Wytek zu Wort und stellte klar: "BioVegan ist kein Gesamtkonzept, sondern ein Modell." Das steht im Gegensatz zur Wiener veganen Tierrechtsbewegung, die den Veganismus aufgrund ethischer Argumentation für die Allgemeinheit fordert und kritische Stimmen ausschließt.

    Sich den Problemen stellen, statt sie verdrängen

    Iain Tolhurst berichtete von der VEGAN-Bewegung in England, dass auch dort diese "großen Probleme verdrängt werden und man noch nicht in die Tiefe vorgestoßen sei." Er erzählte, dass Linda und Paul McCartney ihre 250 Schafe einfach auf der Weide ließen, ohne sie zu schlachten oder irgendwie zu nutzen und ohne sich weiter darum zu kümmern. Nach einiger Zeit sei es zu Problemen mit kranken Tieren gekommen und einige Schafe mussten getötet werden... Es wurde besprochen, dass wenn wildlebende Tiere keine Feinde haben und eine Bejagung durch Lustmörder aus ethischen Gründen abgelehnt wird, man sie doch nicht verhungern lassen kann, um eine Überpopulation zu verhindern!

    Almwiesen werden zu Wald

    Auch Univ. Prof. Dr. Wolfgang Holzner vom Zentrum für Umwelt- und Naturschutz hinterfragte in seinem Vortrag über "Landschaft ohne Tierhaltung" eine prinzipielle Ablehnung der Nutztierhaltung. Wenn immer mehr Bergbauernhöfe und Almen nicht mehr bewirtschaftet werden, wachsen die Almwiesen zu. In höhergelegenen Lagen ist das Offenhalten durch Gartenbau kaum möglich. Es käme nicht nur zu einem Bauernsterben! Hunderte Pflanzenarten und tausende Tierarten wären vom Aussterben bedroht, wenn die Almwiesen wieder mit Wald zuwachsen. "Nicht nur 'die Alpenlandschaft' selbst, sondern auch charakteristische Pflanzen und Tiere, wie zB Edelweiß und Murmeltier, sind auf das Fortbestehen der Bergbauernwirtschaft angewiesen." Da ein hohes Maß an Biodiversität verloren ginge, nannte Prof. Holzner eine flächendeckende bio-vegane Landwirtschaft eine ökologische Kathastrophe für die Bergregionen.

    Die Zukunft der Bergland(wirt)schaft

    Bei dem paralell zu BioVegaN auf der Wiener Universität für Bodenkultur stattfindenden Tagung "Die Zukunft der Bergland(wirt)schaft nach dem 'Jahr der Berge'" wurde zu dem Problem des Offenhaltens der Bergwiesen festgestellt, dass wildlebende Tiere nur bedingt die Verwaldung verhindern können.

    Wiese ist Kultur, Wald ist Natur?

    Da nach Prof. Holzner die Almwiesen dort sind, "wo von Natur aus Wald wäre" ergab sich die Frage:
    "Was wäre, wenn die Entwicklung in die andere Richtung ginge? Wenn aufgrund von EU und WTO-Vereinbarungen die Landwirtschaft nicht in die kostengünstigen Gunstlagen abgedrängt, sondern Viehhaltung vermehrt in die Berge verlagert würde und folglich umgekehrt der Bergwald durch die Neuerrichtung von Almwiesen bedroht wäre - würde sich da der Naturschutz nicht genauso gegen einen Wandel wehren?"

    Warum nicht zurück zur Natur?

    Glauben die Wissenschaftler an der Universität für Bodenkultur, dass die Natur unfähig ist, sich auch ohne ständige Eingriffe des Menschen zu regulieren? Holzner im Projektbericht: "Landschaft und Biodiversität... können in Zukunft durchaus anders aussehen als gewohnt." Prof. Holzner hatte bei der BioVegaN-Veranstaltung auf die Frage: "Warum eigentlich nicht Waldlandschaft?" erklärt, dass ihm Almlandschaft einfach besser gefalle. Neben ökonomischen und ökologischen hatte er landschaftsästhetische Gründe genannt. Im Festsaal der BoKu fragte er nun seinerseits herausfordernd die Vertreter aus Landwirtschaft, Politik und Wissenschaft am Podium abschließend zur Zukunft der Bergland(wirt)schaft:
    "Man kann nicht alles mit Wald zudecken. Warum eigentlich nicht?"
    Hoffentlich wird die Antwort der Fachleute nicht den Zorn der Göttin Demeter (und der Bauern) weiter anfachen:
    "Die bergbäuerliche Land- und Almwirtschaft muss wegen dem Fremdenverkehr erhalten bleiben!"

    Dr. Friedrich Landa
    Tierschutz-Dachverbandspräsident
    +43 66 43 43 43 66


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