Tierschutz im Unterricht durch Tierärztekammer

    Tierschutz-Lehrmittel von Tierärztekammer
    Die Bundeskammer der Tierärzte Österreichs hat ein Lehrmittel "Tierschutz" für den Einsatz im modernen Unterricht herausgegeben.
    Grundsätzlich ist zu begrüßen, wenn sich neben den Tierschutzorgansationen auch Tierärzte des Themas "Tierschutz" verstärkt annehmen und ihr Wissen den Lehrkräften zu vermitteln suchen.
    Die 150 Seiten umfassende Broschüre soll ua. "Anregungen zur Behandlung des Themas Tierschutz in der Schule geben", "Mut für einen handlungsorientierten, aktuellen Unterricht geben" und "zeigen, dass auch Einzelpersonen etwas zum Tierschutz beitragen können." Gleich im Vorwort wird erwähnt, dass "Bereiche wie zB die Betäubung von Schlachtvieh" nicht behandelt werden.
    Die Bundeskammer der Tierärzte hofft, dass dieses Lehrmittel zu Diskussionen Anlass geben wird und bittet um Anregungen und Kritik:
     
    Die Einführung ins Thema Tierschutz beginnt mit einem Kapitel über
    ETHIK   Mensch-Tier-Beziehung
    "Zur Befriedigung der Nachfrage nach billigerem, hellerem Kalbfleisch wurden Kälber in engen Ställen ohne genügend Bewegungsmöglichkeiten und Tageslicht unter Einsatz von Milchaustauscher in möglichst kurzer Zeit schlachtreif gefüttert." (Seite 10)
    Es wird darüber berichtet, dass alte Kulturvölker in China und die Indien gütiges Verhalten allen Geschöpfen gegenüber lehrten. Von den religiösen Denkern Chinas (Laotse, Kungtse, Mong Dsi) wurde "das Töten von Tieren...als Frevel bezeichnet." Die indischen heiligen Schriften lehrten "das Gebot von Ahimsa, der Gewaltlosigkeit. Da die beseelte Welt eine Einheit bildet, fügt jeder, der dem anderen ein Leid zufügt, dieses gleichzeitig sich selber zu. Das Gebot von Ahimsa ist ein Grund, warum viele Inder vegetarisch leben und alle Berufe, die mit Töten zu tun haben, als 'unrein' gelten. Die Schonung der Tiere gilt weltweit als spezifisch buddhistisches Prinzip. Das Mitleid mit allen Wesen ist hier zum beherrschenden Ethos geworden. Bei den Griechen waren die Pythagoräer und Epikureer Vegetarier aus der Überzeugung, dass Tiere eine Seele haben und eine Seelenverwandtschaft zwischen Menschen und Tieren bestünde." Während in Griechenland "einzelne philosophische Schulen ihre Verbundenheit mit dem Tier durch vegetarische Lebensweise zum Ausdruck" brachten, anerkannte das römische Recht "nur Menschen als Träger von Rechten. Das Tier war demzufolge rechtlos und galt als Sache." (S.10) Descartes sah im Tier nur eine seelenlose Maschine.
     
    Darf der Mensch Tiere nutzen?
    Im folgenden nehmen die Tierärzte Stellung zu der "zentralen Frage, wie weit der Mensch berechtigt sei, Tiere zu nutzen". (S 11) und erklären drei Modelle für die Mensch-Tier-Beziehung als denkbar:
    1) Der Mensch ist Besitzer des Tieres (ohne jeglichem Eigenwert). Das Tier wird "zu einer bloßen Sache, die vom Menschen schrankenlos (aus)genutzt werden kann." (S 14) 
    2) Mensch und Tier sind gleichwertig, die Tiere besitzen Eigenwerte und Eigenrechte. "Die Forderung nach Unversehrtheit des Tieres schließt eine Nutzung für den Menschen aus."
    3) Das Tier als Mitgeschöpf des Menschen, auf der Grundlage der Ehrfurcht vor dem Leben. Demnach sind die Tiere "leidensfähige Mitgeschöpfe, die Anrecht auf Respekt und Fairness haben. Das Leben des Tieres ist nicht minderwertig, ganz im Gegenteil: Es ist andersartig, artspezifisch und hat einen ihm eigenen Wert. Daraus folgt: Alle Nutzungsformen, die das Wohlbefinden der Tiere schmälern, sind an sich abzulehnen." (S 15)
     
    Menschengerecht gegen Tiergerecht?
    Im Anschluss an die Darstellung der drei verschiedenen Modelle von Mensch-Tier-Beziehung folgt in dieser Schrift von Tierärztekammer und Bundesministerium für Bildung eine Bewertung für Modell 3.
    Ein in der Schrift der Tierärztekammer für die Schulen festgestellter "Gegensatz 'Menschengerecht - Tiergerecht ist, in jedem konkreten Einzelfall neu gegeneinander abzuwägen - Wer wird zuerst aus dem brennenden Haus gerettet? - Das Kind oder das Haustier?" (S 15) 
    In der Beurteilung, was ist gut und was ist böse, verweisen die Tierärzte auf die "Grundforderungen der Arbeitsgruppe 'Sozialethik und Nutztiere' der Universität Zürich" und Albert Schweizers Ehrfurcht vor dem Leben: "Nutzung und Tötung von Tieren nur, wenn damit unverzichtbare Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden." (S 11)
     
    Tierschutzunterricht sollte keine ethische Weltanschauung aufdrängen
    Die langjährige Erfahrung der Tierschutzorganisationen mit "Tierschutz im Unterricht" hat gezeigt, dass irgendwelche Anmaßungen durch Lehrkräfte im Bereich der Ethik (in Form von "Man darf nicht..." bzw "Du sollst...") nicht so gerne gehört werden und auch gar nicht nötig sind. Es genügt im Tierschutzunterricht Tatsachen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Jugendliche und Kinder sind im allgemeinen gut selbst fähig zu erkennen was gut wäre und wie die Tiere zu behandeln sind.
     
    Exkursionen in Tierfabriken und Schlachthäuser
    In dem Lehrmittel wird betont, dass beim Thema Tierschutz "viele Aspekte mit Wissen über die biologischen Bedürfnisse, aber auch mit individueller Einstellung bzw. Betroffenheit" zu tun haben. Um möglichst konkret mit den tierschutzrelevanten Fragen in Berührung zu kommen, empfehlen die Tierärzte den Besuch von Kälber- und industrieller Schweinemast oder von Milchviehbetrieben und Legebatterien: "Das Ziel soll sein, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, die Folgen ihres eigenen Verhaltens zu erkennen und nötigenfalls zu verändern." (S19) Die Tierärzte schlagen Fotoreportagen vor: "Schüler und Schülerinnen recherchieren über die verschiedenen Lebensetappen" der Nutztiere: "Sie informieren sich möglichst 'vor Ort', zB bei Bauern, Züchtern... oder auf dem Schlachthof..."
     
    Fleisch frisst Mensch
    Wird in Großbetrieben vermehrt Kraftfutter eingesetzt, so zeigen die Tierärzte auf, "besteht...die Gefahr der Überproduktion." "Österreich importiert Futtermittel hauptsächlich aus den EU- und den Entwicklungsländern." In diesen Ländern der Dritten Welt wird durch den Export von Futtermitteln "die Ernährungssituation der eigenen Bevölkerung verschlechtert... Zitat: 'Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen.'" Kurz wird angemerkt, dass das in den Entwicklungsländern "massive negative Auswirkungen auf die Natur hat." (S.25)
    Aber auch bei vielen österreichischen Tierfabriken stellt "diese hochspezialisierte und bodenunabhängige Betriebsweise...für die Umwelt eine große Belastung dar. Diesen Betrieben fehlt meist der notwendige Boden zum Ausbringen der Gülle. Da die Güllengruben trotzdem periodisch geleert werden müssen, wird der Boden überdüngt. Die Gülle fließt direkt oder indirekt ins Grundwasser oder in Bäche und Seen. Die ökologischen Folgen sind erheblich." (Nitratgehalt im Grund- und Quellwasser S.25 u. 38) "Schuld tragen Betriebe, die im Verhältnis zu den Tieren zu wenig Boden zum Ausbringen der Gülle haben."
     
    Tiergerechte Haltung
    Bei den "Grundbedingungen für eine tiergerechte Haltung" von Nutztieren wird von den Tierärzten ua. festgestellt, dass einstreulose Haltungen und "eine dauernde Anbinde- bzw. Einzelhaltung ohne Auslauf nicht tiergerecht" sind. (S.21)
     
    Schweinehaltung
    "In den Betrieben mit intensiven Haltungsbedingungen traten vermehrt Verhaltensstörungen auf... Spaltenböden mit zu großer Spaltenweite und scharfen Kanten führten zu... Klauenverletzungen." (S.40) Zu einem Bild vom Kastenstand 'Eiserne Jungfrau' zitieren die Tierärzte aus der Tierhalteverordnung: "Schweine dürfen nicht dauernd einzeln oder angebunden gehalten werden." (S.41)
     
    Land ohne Tierfabriken?
    "Die typischen Schweinehaltungsgebiete sind... insbesondere Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark, wo auch große Intensivtierhaltungsbetriebe vorkommen. Vorarlberg ist...kein typisches Schweinezucht und -mastgebiet... Richtige 'Tierfabriken' hat es deshalb nie gegeben." (S 20) (Die Broschüre wurde von Dr. Erik Schmid aus Vorarlberg vom Bundesamt für Veterinärwesen in Bern übernommen und überarbeitet und hat deshalb einen starken Vorarlberg-Bezug.)
     
    Brutalität bei Eierproduktion
    Zur Eierproduktion "werden die männlichen Eintagsküken von Legerassen sofort nach erfolgter Geschlechtsdifferenzierung (das sogenannte 'Sexen') getötet": "Die 'wertlosen' Hahnenküken, die sich auf Grund der Zuchtausrichtung auf Legeleistung nicht zur Mast eignen, werden sofort getötet und gelangen entweder zur Verfütterung in Wildtierhaltungen (Raubvögel, Schlangen...) oder direkt in die Tierkörperverwertungsanstalt."
    Die Anforderungen an das Ei sind ua: "Sie sollen frei von fremden Geruch sein, nicht angebrütet sein und aus ästhetischen Gründen keine Blutflecken enthalten. Diese entstehen, wenn bei der Bildung des Eis kleine Äderchen im Eileiter des Huhnes platzen."
     
    Überschüssige Tiere in Zoofachgeschäften
    Wie bei den Nutztieren, informieren die Tierärzte auch bei den Heimtieren nicht nur über Tierhaltung und Zusammenhänge, sie geben auch hier ihre Meinung ab: "Unter bestimmten Voraussetzungen ist es verantwortbar, ein Heimtier zu halten." (S.57)
    Zur Vermehrung der Heimtiere steht geschrieben: "Falls Nachwuchs unerwünscht ist, empfiehlt es sich, Tiere wie zB Hunde und Katzern kastrieren zu lassen. Ansonsten sollte man sich frühzeitig über mögliche Abnehmer der Jungtiere (zB Zoofachgeschäfte) erkundigen." (S.60)
    Weil sich Zwerghamster nicht so zuverlässig wie weiße Mäuse paaren, empfiehlt die Tierärztekammer "im Frühjahr in mehreren Käfigen fortpflanzungsfähige, dh zwischen vier und zehn Monate alte Tiere paarweise zusammenzusetzen." (S.87)
    Für Dsungharische Zwerghamster heißt es in der Broschüre der Tierärztekammer: "Überschüssige Jungtiere sind begehrt und werden von Zoofachgeschäften gerne abgenommen." (S.86)
    Tierärzte vom Verein "Tierärzte für Tierschutz" vertreten im Gegensatz dazu die Ansicht, dass lebende Tiere in Zoofachgeschäften nicht verkauft werden sollten, da die Tiere in den Geschäften meist nicht artgerecht gehalten werden und großem Stress ausgesetzt sind. Deshalb sollten Zoofachgeschäfte nur tiergerechtes Zubehör und Futter verkaufen. Da die Tierheime überfüllt sind, sollten Kinder und Jugendliche nicht dazu ermuntert werden, "überschüssige" Tiere zu produzieren:
     
    Tierhaltung an der Schule
    Die Broschüre empfiehlt "die Haltung von lebenden Tieren im Schulhaus", ua. zwecks "Förderung des emotionalen Zuganges zu Lebewesen". (82) Eine "Kurzzeithaltung ist vor allem empfehlenswert, wenn man die Individualentwicklung von Lebewesen beobachten will." Durch einen "Schulzoo", so wird behauptet, kann ein "Stück Natur an die Schule geholt werden." (S. 83)
     
    Über wild lebende Katzen
    findet sich folgende Aussage: "Keinesfalls sollte man sie zufüttern, da dann ihre Population 'künstlich' hochgehalten wird und ökologische Probleme entstehen können." (S.80) Es ist schon gewagt in einer Schrift über Tierschutz anzudeuten, man solle gewisse hungrige Tiere keinesfalls füttern. Um "ökologische Probleme" zu vermeiden, können die Tiere eingefangen und kastriert werden.
     
    Zur Jagd auf Wildtiere
    wird festgestellt: "Unter ethischen Gesichtspunkten ist die rein sportlichen Zwecken dienende Jagd von Wildtieren, wie sie früher vom königlichen Adel und der Aristokratie... gepflegt wurde und wird, verwerflich." (91)
     
    Tierpark und Zirkus
    "Zoologische Gärten, Tierparks oder in eingeschränkter Form der Zirkus bieten in der heutigen Zeit Möglichkeiten zu einem relativ direkten Kontakt mit Wildtieren. Solche Einrichtungen müssen nach den neuesten Erkenntnissen der Tierbiologie geführt werden." (S.91) Auch bei diesem Thema dürften die meisten Kinder und Jugendlichen bereits zu einer kritischeren Beurteilung im Sinne des Tierschutzes fähig sein, als die Tierärzte: "Im Interesse der Tiere in Gefangenschaft darf die Dressur und Vorführung von Wildtieren nicht generell verurteilt werden." (S.118)
     
    Tierversuche
    Bei den Tierversuchen stehen für die Tierärzte die Tiere als "Stellvertreter der Menschen, wobei das Wohl der Menschen dem Wohl der Tiere grundsätzlich übergeordnet wird. Für den Menschen ist diese Wertehierachie einleuchtend. Tierversuche und das Töten von Tieren sind aber ethisch nicht einfach zu rechtfertigende Handlungen, da den Tieren dabei bewusst Leiden zugefügt werden." (S.121) Auch bei der Gegenüberstellung von 'Befürwortern' und 'Gegner' der Tierveruche erlauben sich die Tierärzte eine Bewertung: "Verantwortungsvolle Forscherinnen und Forscher befürworten nicht jeden Tierversuch, und nicht alle Tierschützerinnen und Tierschützer lehnen jeden Tierversuch ab." (S.128) Die Ausbeutung der Tiere bringt dem Menschen scheinbar viele Vorteile, aber kann der Gewinn für die Täter die Leiden rechtfertigen, die den Opfern angetan werden?
     
    Tier"Verbrauch"
    Pro Jahr und Einwohner werden ca. "0,04 Versuchstiere verbraucht, bei der Jagd 0,07 Tiere erlegt und in den Schlachthäusern 5,31 Tiere geschlachtet." Abschließend wird Horst Stern zitiert: Solange der Tierversuch "die Gesetze beachtet und die Kontrolle der Öffentlichkeit nicht scheut, werden wir mit ihm leben müssen, wenn wir leben wollen, wie wir nun einmal leben: genusssüchtig bis zur Krankhaftigkeit, der Bequemlichkeit hörig und skrupellos im Umgang mit der Natur."
     
    Dr. Friedrich Landa   GF "Tierschutz im Unterricht"
    Zeitungsberichte und Wissenswertes über "Tierschutz im Unterricht" der Tierschutzorganisationen unter www.tierschutz.cc

    Videomaterial zur Ergänzung des Tierschutzunterrichts:
    Video 1: Tierschutz im Unterricht Filmesammlung für Kinder, 1.- 4. Schulstufe 80 Minuten
    Cover und Inhalt unter: http://www.tierschutz.cc/tiu/images/huellen/vs-huelle.jpg
    Video 2: Filmesammlung für reifere Jugendliche und Erwachsenenbildung 240 Minuten
    Cover und Inhalt unter: http://www.tierschutz.cc/tiu/images/huellen/hs-huelle.jpg
    Video 3: TiU/Erwachsenenbildung: Betäubungslose Schächten und Schlachten 20 Minuten (+60)
    Cover und Inhalt unter: http://www.tierschutz.cc/tiu/images/huellen/schaecht-huelle.jpg
    Video-Bestellung: video@tierschutz.cc

     
    Um den Administrationsaufwand möglichst gering zu halten und möglichst viele Menschen über das Leiden der Tiere zu informieren, werden die Videos kostenlos verschickt. Dabei ist der gemeinnützige Verein "Tierschutz im Unterricht" auf Spenden angewiesen:
    Österreich: Spendenkonto 5016092 der RB Hausruck Süd BLZ 34190
    Deutschland: Konto Nr. 283851 der VoRB BgL BLZ 710 900 00
     
    Tierschutzlehrer der Tierschutzorganisationen können für alle Schulen
    in ganz Österreich unter folgenden Telefonnummern eingeladen werden:
    Burgenland: Tel. 01 / 699 24 50-17 Tel. 0316/ 58 13 20 
    Kärnten: Tel. 0316/ 58 13 20
    Niederösterreich: Tel. 01/9291498 Tel. 01 / 699 24 50-17
    Oberösterreich: Tel. 06643434366
    Salzburg: Tel. 06643434366
    Steiermark: Tel. 0316/ 58 13 20
    Tirol: Tel. 05242/ 93 7 50 Tel. 0664/ 49 80 741
    Vorarlberg: Tel. 05512/ 43 44
    Wien: Tel. 01/9291498 Tel. 01 / 699 24 50-17

    Dr. Friedrich Landa
    Tierschutz-Dachverbandspräsident
    +43 66 43 43 43 66


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