Wissenschaftliche Arbeit zum Tierschutz

Es gibt eine neue wissenschaftliche Arbeit zum Thema Tierschutz:

Informations- und Kommunikationskampagnen im Tierschutz

Theoretische Grundlagen und empirische Untersuchungen von staatlichen,
wirtschaftlichen und privaten Initiativen und Organisationen im Bereich des
Tierschutzes in Österreich.

Diplomarbeit
zur Erlangung des Magistergrades
an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät
der Universität Salzburg

eingereicht von
Claudia Ulamec
Salzburg 1999
einige Auszüge

C) Privater Sektor  (vgl. PLANK 1999/LANDA 1999)

Tierschutz wurde seit seinen Anfängen immer mit Ehrensache und Wohltätigkeit
verbunden. Doch der harte Konkurrenzkampf am Spendenmarkt und die sinkende
Spendenfreudigkeit von Unternehmungen veranlassen immer mehr
Tierschutzor-ganisationen, sich nach anderen Einnahmequellen umzusehen. Wenn
sich Non-Profit-Organisationen im Bereich Tierschutz für Sponsoring
interessieren, könnte
dies einige Anfangsschwierigkeiten mit sich bringen. Zwar steigt generell
das Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit am Thema Tierschutz und somit
das der profitorientierten Unternehmungen, jedoch muß zwischen Akzeptanz,
Sympathie und Identifizierung mit den jeweiligen Philosophien und Praktiken
der diversen Tierschutzarten differenziert werden.

So wird z.B. eine aktionistische Tierschutzorganisation wie der "Verein
gegen Tierfabriken" zwar generell akzeptiert und sogar als notwendig
empfunden, aber für eine Identifizierung mit den Organisationszielen, wie es
für Sponsoring erforderlich ist, reicht es nicht aus. Unternehmungen
müssten bei so einer finanziellen Zusammenarbeit vielleicht sogar um ihr
Image fürchten, weil sie gemeinsam mit dem Verein durch die Medien (siehe
Punkt 6.4.3. Medien- und Pressearbeit bei Tierschutzorganisationen
und -initiativen) in die radikale Ecke gedrängt werden.

Anders ist die Ausgangssituation des Sponsoring beim konservativen
Tierschutz, wie z.B. Tierschutz im Unterricht, der seitens der Medien (siehe
ebenfalls Punkt 6.4.3.) eine weit größere Sympathie und ein positiveres
Image genießt.
Für private Tierschutzorganisationen ist es ein wichtiges Anliegen, den
Gedanken des Tierschutzes in den Schulen zu unterrichten. In ganz Österreich
sind ca. 15 Tierschutzlehrer tätig, die ca. 4 Tage in der Woche 4-5 Stunden
pro Tag Tier-schutzthemen vorrangig in Volks-, Haupt- und Höheren Schulen
unterrichten. Die Tierschutzlehrer müssen eine akademische oder pädagogische
Ausbildung haben und ein zweiwöchiges "Tierschutz im Unterricht" Seminar in
Graz absolvieren. Finanziert wird ihre Arbeit durch
Tierschutzorganisationen und Spenden der Schulen sowie Privatpersonen. Eine
Finanzierung durch das Land wird angestrebt.

Folgende Ziele werden mit dem Projekt "Tierschutz im Unterricht" verfolgt:
Die Ehrfurcht vor dem Leben, sowie das Mitgefühl wieder zu wecken. Bei
Kindern sind diese Gefühle noch stark vorhanden und müssen lediglich
aufgefrischt werden.
Die Gewalt gegenüber Tieren bei Jugendlichen zu reduzieren. Die
Grundtendenz zur Gewalt wird schon früh gelegt. Jemand, der bereit ist,
Gewalt gegen Tiere zuzulassen, wird dazu tendieren, Gewaltsamkeit auch im
Umgang mit Menschen hinzunehmen.
Die Kaufgewohnheiten, besonders das der Eltern zu überprüfen und so
umzustellen, daß so wenig wie möglich Tierleid entsteht. Z.B. die Mutter
liebevoll auf Freilandeier hinweisen.
Tierschutz soll generell in den öffentlichen Ethikunterricht integriert
werden, aber vom Schulsystem selbst differenziert bleiben, um eine
Einstellungsände-rung gegenüber dem Lebewesen Tier zu erreichen.

Der Unterricht selbst besteht aus einem mündlichen Vortrag, der durch Dias
und Videos über verschiedene Themen (z.B. Nutztier, Haustier) unterstützt
wird. An Höheren Schulen finden anschließend Diskussionen statt. Alle
Maßnahmen und Instrumente, wie das Buch über Tierschutz im Unterricht,
Arbeitsmappe für Lehrer, Broschüren und Flugblätter, sind altersspezifisch
abgestimmt und aufbereitet. Das Projekt Tierschutz im Unterricht wird
allgemein von den Zielgruppen, Medien sowie der Öffentlichkeit positiv
angenommen und unterstützt.
(Seiten 176/177)

Die Wirkung und der Erfolg von Kommunikationsaktivitäten im Tierschutz und
sozialen Bereich wird vom Unternehmen bewußt nicht untersucht mit der
Begründung, daß sie ein Bestandteil der Unternehmensphilosophie seien und
nicht primär der Verkaufsförderung dienten. Damit gehen aber meiner Meinung
nach wichtige Erkenntnisse, die durch eine Evaluierung (vgl. Kapitel 6.3.)
mit relativ geringem Aufwand (gemessen am ganzen Kampagnenprozeß) gewonnen
werden könnten, verloren. Denn dieser Verlust qualitativer Ergebnisse kann
nicht durch quantitative Marktanalysen ersetzt werden.
(Seite 183)
Das Konzept Sponsoring im Tierschutz ist im Vergleich zum Umwelt- und
Sozial-sponsoring (vgl. Kapitel 6.6.3.) noch weitgehend unterentwickelt und
daher auch unterrepräsentiert.   Lobbying ist die Einflußnahme auf die Willensbildung der politischen
Entscheidungsträger und somit eine wichtige Tätigkeit im politischen
Tierschutz. In der Praxis werden von privaten Tierschutzorganisationen
bzw. -initiativen in Österreich sämtliche Instrumente des Lobbyings (siehe
Kapitel 6.7.3. und S. 173/174) praktiziert und ausgeschöpft. Ebenfalls wird
die noch viel wichtigere Aufgabe der Kontrolle bereits rechtskräftiger
Gesetze und Verordnungen sowie das Aufzeigen mangelnder Vollziehung
wahrgenommen. Daß diese Art des Tierschutzes großen Anklang und große
Unterstützung bei der breiten Öffentlichkeit findet, zeigte das schon
erwähnte überaus erfolgreiche Tierschutzvolksbegehren von 1996.

Bei Educational Relations stehen für die Erziehung bzw. dem Unterricht
kommunikativen Beziehungen zwischen einer Organisation auf der einen und
Schulen/Schüler/Lehrer auf der anderen Seite im Vordergrund (siehe Kapitel
6.8.3.). Der private Tierschutzsektor entwickelte mit dem Projekt
"Tierschutz im Unterricht" im Bereich der Educational Relations ein
erfolgversprechendes Programm. Eine klare Zielsetzung und Definition der
Teilöffentlichkeiten, sowie der Einsatz von professionell gestalteten
Instrumenten zeichnen dieses Projekt aus. Das wohlgesinnte Allgemein-,
Presse- und Politikinteresse, sowie erfolgversprechende Gespräche über
Sponsoring lassen über eine Aufnahme dieses Programms in den öffentlichen
Ethikunterricht hoffen. Meiner Meinung nach wäre langfristig gesehen die
effizienteste aller Tierschutzmaßnahmen, wenn man der heranwachsenden
Generation die Ehrfurcht vor dem Leben näherbringen würde.
(Seiten 187/188)

7.2.1. POLITISCHER TIERSCHUTZ

Durch die intensive Arbeit von diversen Tierschutzorganisationen machte der
rechtliche Tierschutz in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte. Wenn
jedoch die Gesellschaft moralisch nicht vollends dahinter steht, ist der
Tierschutzgedanke am Papier nichts wert. Das zentrale Problem ist hier die
Vermittlung von Moral und Herrschaft, und die Lösung lautet: Das bloß
willkürlich gesetzte Recht habe keine Chance zur dauerhaften Verwirklichung,
da es die gesellschaftliche Moral selbst verfehle; nur eine moralische
Gesellschaft könne Bestand haben, und in dieser sei das Recht moralisch
verankert und auf die Sitten gegründet, was die Problematik der Herrschaft
in der gesellschaftlichen Solidarität moralisch aufzulösen vermag, und
d.h., in den quasi natürlichen Gesetzen der Gesellschaft selbst. (vgl.
FIRSCHING 1994, S. 45)

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache heraus, daß die
österreichische Tierschutzszene sehr stark zersplittert ist. Österreich
kann zwar viele Tierschützer und Tierschutzorganisationen vorweisen, jedoch
findet nur eine mangelhafte Kommunikation und Zusammenarbeit untereinander
statt.  So fehlt  in allen Bundesländern außer Oberösterreich eine
Dachorganisation, die für eine erfolgreiche Lobbyingtätigkeit unerläßlich
ist. (vgl. LANDA/PLANK/SAMS 1998/99, mündl.)
(Seite 193)

Bei der Vermittlung von konservativen Tierschutzinhalten könnten sich
folgende externe Kommunikationschancen ergeben:

Die Vorgehensweise vom konservativen Tierschutz wird im Gegensatz zum
aktionistischen seitens der Medien und Öffentlichkeit eher akzeptiert und
verstanden.
Artgerechte Zoos, Gnadenhöfe oder andere Projekte, wo ein angemessener
Lebensraum für Tiere geschaffen wird, erfreuen sich immer größerer
Beliebtheit in der Öffentlichkeit.
Das Projekt "Tierschutz im Unterricht" stößt bei Medien, Öffentlichkeit
und staatlichen Einrichtungen auf großes Interesse.
Projekte vom konservativen Tierschutz, die der Allgemeinheit bzw. dem Land
oder Staat zugute kommen, werden leichter subventioniert.
(Seite 198)

Bei der Vermittlung von Tierrechtsideologien könnten sich folgende
Kommunikationschancen ergeben:

Eine gewisse Bereitschaft ist in der Bevölkerung vorhanden, dieser
Thematik zuzuhören und eventuell darüber nachzudenken. Und genau diese
Bereitschaft ist die Chance die Tierrechtsbewegung Bewußtseinsarbeit zu
leisten, über die Zusammenhänge zwischen Mensch und Tier als Nahrungsquelle,
Freund oder Therapeut zu informieren.
Durch Aufklärungsarbeit könnte der Öffentlichkeit das speziesistische
Gleichheitsprinzip näher gebracht werden, um so mehr Akzeptanz und
Verständnis für diese Ideologie bzw. Ethik bei dieser zu erreichen.
Bei jungen Menschen läßt sich auf jeden Fall eine verstärkte positive
Einstellung zur vegetarischen Lebensweise feststellen. International
berühmte Stars (wie Paul McCartney, Kim Basinger, Richard Gere, Madonna,
Julia Roberts usw.), die sich zum Vegetarismus bekennen, könnten als
Meinungsbildner herangezogen werden.
(Seite 200)


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